Vor uns ragen imposante Felswände in den dunkelblauen Himmel über den französischen Pyrenäen. Von unseren Körpern rinnen vermutlich Bäche mit Salzwasser ins Tal, die vom Schweiß genährt werden. Erbarmungslos brennt uns die Sonne ins Gesicht, der Anstieg dauert eine gefühlte Unendlichkeit. 1.100 Höhenmeter sollen uns die Beine durch Wälder und Bergwiesen zu einem in 1.980 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Pass hinauf tragen. Auf unserem Rücken schleppen wir 22 oder 23 Kilogramm, die uns mit aller Kraft wieder zurück ins Tal ziehen wollen.

Für jeden der geplanten zwölf Tage unserer Tour entlang des Pyrenäen-Hauptkammes haben wir etwa 450 Gramm Proviant und Campinggas zum Essenkochen eingepackt. Da die Saison vorbei ist und die Hütten geschlossen sind, schleppen wir ein Zelt, Isomatten, Schlafsäcke und Kochgeschirr mit. Gemeinsam mit Wechselklamotten und sonstigen Kleinigkeiten drückt daher eine gewaltige Last auf Schultern und Hüften.

Bei jeder Tour müssen wir uns neu an dieses Gewicht gewöhnen . Und jedes Mal haben wir am ersten Tag erhebliche Zweifel, ob wir das schaffen. Am dritten Tag sind dann alle Bedenken verflogen. Der Rucksack ist zwar immer noch sauschwer, trägt sich aber trotzdem um Größenordnungen leichter. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier und lernt sogar recht rasch, sein eigener Packesel zu sein. Aber nur, wenn er den richtigen Rucksack dabei hat, der das Gewicht möglichst gut verteilt.

Der US-Amerikaner Wayne Gregory meint dazu: "Ein Rucksack muss passen wie ein Schuh!" Der Mann sollte es wissen, bereits 1970 gründete er seine erste Firma, die Rucksäcke herstellte. Damals hatten die Dinger noch ein Außentragegestell, schleppten so zwar große Lasten, galten aber gleichzeitig auch als Folterinstrument. Deutlich bequemer waren da schon die Rucksäcke, die der Amerikaner ab 1977 entwickelte, bei denen das für die Stabilität notwendige Tragesystem nach innen verlegt war.

Passen muss so ein Rucksack aus gutem Grund: Wie der Schuh beim Laufen die einzige Verbindung zwischen Mensch und Untergrund ist, ist der Rucksack die Nahtstelle zwischen dem allergrößten Teil der Ausrüstung und dem Körper des Trägers. Da die Schwerkraft dieses oft gar nicht so leichte Gewicht nach unten zieht, sollte es auf einer möglichst waagrechten Fläche aufliegen. Dafür kommt natürlich der Kopf in Frage. Allerdings wäre dann das zusätzliche Gewicht ziemlich weit oben und der Schwerpunkt läge ungünstig. Das nötige Balancieren mag im einfachen Gelände funktionieren, geht aber auf schmalen Bergpfaden rasch schief.

Die nächsten waagrechten Stellen am Körper sind die Schultern, auf denen dann auch die Trageriemen eines Rucksackes liegen. Lastet ein schweres Gewicht aber ausschließlich dort, liegt der Schwerpunkt immer noch erheblich über der Körpermitte. Dadurch ist das System aus Körper und einem schweren Rucksack immer noch wenig stabil und nähert sich im schwierigen Gelände ein wenig dem Verhalten eines Wackelpuddings an. Als Auflagepunkte ganz in der Nähe des Körperschwerpunktes gibt es weiter unten noch die Hüftknochen. Daher besitzen Rucksäcke für größere Lasten einen Hüftgurt, der möglichst viel Gewicht auf diese Knochen bringen soll.

Menschen haben aber völlig unterschiedlich lange Rücken. Männer haben zudem manchmal breite Schultern, Frauen sind meist schmaler gebaut. An diesen Körperbau aber muss der Rucksack angepasst sein, um möglichst viel Traglast auf die Hüften zu bringen. Genau deshalb muss er auch ähnlich gut wie ein Schuh passen. Nicht nur Wayne Gregory, sondern auch viele anderen Hersteller haben daher längst Rucksäcke mit verschiedenen Rückenlängen im Programm, die es obendrein für Frauen und Männer in verschiedenen Versionen gibt. Eine stabile Rückenplatte leitet den größten Teil des Gewichtes auf den Hüftgurt. Und die Tragegurte können so eingestellt werden, dass wirklich das Gewicht optimal verteilt wird.

Da ein solcher Rucksack auch noch stabil sein soll, muss er gut und sorgfältig verarbeitet sein. Billig ist er daher nicht, für einen guten Trekkingrucksack legt man schon einige Hundert Euro hin und lässt sich Zeit zum Anprobieren, damit man auch wirklich den passenden Rucksack mit auf die Tour nimmt. Der Preis und das meist in Litern angegebene Ladevolumen spielen dabei meist nur noch eine untergeordnete Rolle.

Auch das Packen will gelernt sein. Dabei ist die wichtigste Regel ganz einfach: Das größte Gewicht sollte möglichst nahe am Körper und oberhalb des Hüftgurts platziert werden, um den Wackelpudding-Effekt zu vermeiden. Die Übung beim Packen kommt bei einer mehrtägigen Tour dann von selbst. Bei der Suche nach Proviant, Gaskartuschen und Wechselklamotten haben wir den Rucksack auf unserer Pyrenäentour immer wieder ziemlich ausgeräumt. Als wir dann von unserem Zeltplatz in 2.500 Metern Höhe wieder aufbrechen, beschleunigt die morgendliche Kälte das Packtempo am Tag elf der Tour enorm. Und das Gewicht spüren wir dank eines gut eingestellten Tragesystems ohnehin kaum noch.