Seit Generationen lehren die Bewohner Totopes ihren Kindern den Umgang mit der rauen See. Doch in den letzten Jahren trugen die starke Brandung und der steigende Meeresspiegel die Küste Meter für Meter ab. Einst lag Totope mit sicherem Abstand zur Küste im Landesinneren Ghanas, erinnert sich Kusietu: "Als Kinder mussten wir eine große Kokospalme hinaufklettern, um das Meer zu sehen. Heute wüten die Wellen dort, wo früher unser Ortskern war." Knapp die Hälfte der kleinen Fischerhüttchen wurde bereits von den Fluten mitgerissen. Wie Fragmente aus einer anderen Zeit ragen vereinzelt Überreste einstiger Wohnhäuser aus dem Sand. Die ehemaligen Bewohner mussten vor dem Wasser flüchten.

Für viele kommt ein Umzug in andere Orte nicht in Frage – es ist zu teuer. Auch deshalb sehen viele den Müll, der in großen Mengen ans Ufer geschwemmt wird, als Geschenk an: Mangels Alternativen greifen sie auf den einzigen Baustoff zurück, an dem es hier nicht mangelt. Mit Sand vermischt schütten sie die Abfälle an den Rand der Lagune und gewinnen so Meter für Meter neue Baufläche. "Ein paar Jahre geht das vielleicht noch gut, aber dann wird das Meer schneller sein als wir", sagt Emmanuel Kusietu düster.

Wer etwas Geld zurücklegen konnte, geht ins benachbarte Ada. Dort auf dem Markt können die Fischer ihren Fang leichter verkaufen. Außerdem könnten sie in Zukunft von der Meereserosion verschont bleiben. Vor Monaten schon rückten Bagger und Bulldozer aus Accra an. Dutzende Arbeiter präparieren den sandigen Untergrund für die Sea Defense, eine Betonmauer, die den Ort vor den Wassermassen schützen soll.

"Ob das wirklich sinnvoll ist, weiß keiner. Wenn wir Pech haben, stehen wir in ein paar Jahren wieder vor dem selben Problem wie heute", sagt Samuel Riverson von der Wildlife Division. Er ist sich bewusst, dass es nicht zuletzt die Bedeutung Adas für den Tourismus war, die zu dem Prestigeprojekt geführt hat. Den Menschen in Totope, die tagtäglich um ihr Zuhause fürchten müssen, ist damit allerdings nicht geholfen.