Und das Publikum kommt gerne in das kleine Emirat, das sich zunehmend als Anlaufpunkt für Liebhaber zeitgenössischer und politischer Kunst etabliert. Seit 1993 findet die jährliche Sharjah Biennale statt, 1998 wurde das Emirat von der UNESCO als erste "Arab Culture Capital" überhaupt gewürdigt. Sharjah gilt als das konservativste der Emirate. Als einziges Emirat hat es Zugang zum Arabischen Golf und zum Golf von Oman . Während sich Dubai und Abu Dhabi mit Superlativen überbieten, schlägt man in Sharjah leise Töne an: Mit der Biennale und mit der Schaffung von Kultur-Zentren wie dem Maraya Art Centre , in dem sich auch die Barjeel Foundation befindet, hat sich Sharjah das Image eines kleinen, aber feinen Standorts erarbeitet. Die Konkurrenz ist groß: Alleine im Emirat Dubai eröffneten in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Galerien. Dort kann man den Galeriebesuch bei einem Glas Wein ausklingen lassen. Im nur etwa 940.000 Einwohner zählenden Emirat Sharjah herrscht dagegen auch für Ausländer ein striktes Alkoholverbot.

Eine lebendige und vielseitige Szene

Dennoch lockt die Barjeel Art Foundation immer mehr internationale Gäste an, auch Prinzessin Benedikte von Dänemark war schon hier. Die Stiftung will die Vielfältigkeit der arabischen Welt veranschaulichen, so Mandy Merzaban , die Kuratorin der Galerie: "Die Blickwinkel der Künstler sind so unterschiedlich wie deren Herkunft – vom Maghreb über die Levante bis zu den Golfstaaten und der Diaspora ist bei uns alles vertreten". Die verschiedenen Sichtweisen sind ein wesentliches Element jeder Ausstellung, so die 24-jährige Kanadierin mit ägyptischen Wurzeln: "Wir wollen die Vielseitigkeit und Dynamik der arabischen Gesellschaften zeigen, die sich in einem stetigen Transformationsprozess befinden. Nur so kann ein Dialog entstehen, der nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten deutlich macht."

Die junge arabische Kunst stößt auf Interesse weit über die Grenzen der Golfregion hinaus: Nicht nur auf Messen in Istanbul und Miami , auch in Berlin waren bereits Werke aus der Barjeel Art Foundation zu sehen. Die Berliner Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen ( ifa ) zeigte im vergangenen Jahr in der Ausstellung "Political Patterns" ein Gemälde des aus Saudi-Arabien stammenden Abdulnasser Gharem – eine Leihgabe aus Sharjah. "Die Barjeel Art Foundation ist sehr gut vernetzt in der Szene und arbeitet äußerst professionell", sagt Ev Fischer von der ifa-Galerie über die Zusammenarbeit mit der Stiftung, die auf der Sharjah Biennale begann: "Die gesamte Kunst-Szene in den Emiraten ist sehr innovativ und in Bewegung".

Ihrem Ruf als innovatives, dynamisches Forum für arabische Kunst will die Barjeel Art Foundation auch mit ihrer neuen Ausstellung gerecht werden: Unter dem Titel Alienation werden bis zum 28. September Werke zu sehen sein, die Entfremdungsprozesse und Ausgrenzung thematisieren. "Gründe für Ausgrenzung können etwa in sprachlichen, kulturellen oder religiösen Barrieren liegen", sagt Mandy Merzaban, "sie können geopolitischen Beziehungen betreffen oder alltägliche Erfahrungen des Einzelnen prägen". Es sind unter anderem Werke von Raafat Ishak und Larissa Sansour , die dem Betrachter einen Perspektivwechsel ermöglichen. "Die Ausstellung ist eine Einladung, den anderen zu verstehen, sich auf seine Sicht der Dinge einzulassen", sagt Merzaban.

Die gesamte Arbeit der Barjeel Art Foundation kann als eine solche Einladung verstanden werden – wer sie annimmt, der erkennt die vielen Facetten der arabischen Welt.