Zahra Kamalfar – zehn Monate im Transitbereich von Scheremetjewo in Moskau

Den Transitbereich von Scheremetjewo kennt Zahra Kamalfar gut. Die Iranerin verbrachte mit ihren beiden Kindern zehn Monate dort, von Mai 2006 bis März 2007.

Kamalfars Vergangenheit ist bis heute nicht ganz geklärt. Nach den Angaben ihres Anwalts Negar Azmudeh wurde sie im Juli 2004 gemeinsam mit ihrem Mann im Iran verhaftet und inhaftiert. Beide sollen an Protesten gegen den damaligen iranischen Präsidenten Mohammed Chatami beteiligt gewesen sein. Im April 2005 habe Kamalfar die Erlaubnis bekommen, für zwei Tage das Gefängnis zu verlassen, um ihre Kinder zu sehen. In dieser Zeit habe sie erfahren, dass ihr Mann hingerichtet worden sei. Kamalfar entschied, mit ihrem 10-jährigen Sohn und ihrer 17-jährigen Tochter nach Kanada zu fliehen, wo ihr Bruder schon seit Langem lebte. Mit dem Auto gelangten die drei in die Türkei, von dort flogen sie über Moskau nach Frankfurt am Main. Weil ihre Reisedokumente gefälscht waren, schickten die deutschen Behörden die iranische Familie zurück nach Moskau.

Von dort beantragte Kamalfar mindestens dreimal den Flüchtlingsstatus bei der UNO, aber ohne Erfolg. 13 Monate lang lebte die Familie im Deportationszentrum in der Nähe des Flughafens. Als das Zentrum geschlossen wurde, wurden die drei in den Transitbereich des Flughafens gebracht.

In einer Videobotschaft auf YouTube berichtet Kamalfar unter Tränen von den menschenunwürdigen Verhältnissen, in denen sie dort lebten. Sie müssten auf dem Fußboden schlafen und würden ständig von russischen Polizisten beleidigt. Waschen könnten sie sich nur mit dem Wasser in der Toilette. Die Kinder seien krank wegen des Vitaminmangels.

Doch die Familie bekam auch Unterstützung. Medienberichten zufolge schenkten ihnen Reisende und Mitarbeiter der russischen Fluggesellschaft Aeroflot Essen. Der Sohn Dawood lernte sogar ein bisschen Russisch.

Im November 2006 eskalierte die Situation. Die russischen Behörden versuchten die Familie gegen ihren Willen in ein Flugzeug nach Teheran zu setzen, Kamalfar und ihre Tochter begingen daraufhin einen Selbstmordversuch. Die Deportation fand nicht statt, ein Team des US-Senders CNN wurde auf die Geschichte aufmerksam und veröffentlichte eine Reportage über die Transitflüchtlinge. 

Kurz danach erhielten die Kamalfars den Flüchtlingsstatus. Am 14. März 2007 durften sie nach Kanada ausreisen. Am Flughafen von Vancouver wurden sie von Kamalfars Bruder Nader in Empfang genommen. Seitdem lebt die Familie in Kanada.