Bahnreisende haben gemäß europäischem Recht auch bei höherer Gewalt Anspruch auf Entschädigung für Verspätungen. Laut einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg können Bahnkunden bei Verspätungen von ein bis zwei Stunden auf Erstattung von mindestens einem Viertel des Preises der Fahrkarte bestehen.

Ab zwei Stunden müssen Bahnunternehmen mindestens die Hälfte des Preises erstatten.

Diese Regelung steht im Einklang mit internationalem Recht, entschied das Gericht nun zu einem Fall aus Österreich. (Az: C-509/11)

Das Urteil betrifft europaweit alle Bahnunternehmen, auch die Deutsche Bahn. Klauseln in ihren Beförderungsbedingungen, die Entschädigungen bei höherer Gewalt ausschließen, sind demnach ungültig. Die Erstattungspflicht gilt nicht für Verspätungen im Flug-, Schiffs-, oder Omnibusfernverkehr.

DB und Fahrgastverband loben Urteil

Die Deutsche Bahn sagte zu, die Entscheidung unverzüglich umzusetzen. Mit dem Urteil sei Rechtssicherheit in einer für die Verbraucher und für die Eisenbahnen wichtigen Frage geschaffen worden, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Der Fahrgastverband Pro Bahn stellte fest, das Urteil habe sämtlichen Überlegungen, wo höhere Gewalt anfängt oder aufhört, die Grundlage entzogen. "Für den Fahrgast zählt die Verspätung, nicht der Versuch des Beförderers, sich eventuell von seiner gesetzlichen Entschädigungspflicht zu befreien", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff.