Dieses Jahr soll es nach Norwegen gehen, mit dem Rad und erstmals mit der kleinen Tochter im Anhänger auf längerer Radreise. Die Idee: Von Geilo nach Bergen, einen Teil entlang der Bergen-Bahn, die auf Europas höchstgelegener Bahnstrecke am Nordrand des Hardangervidda-Gebirgsplateaus entlangführt. Beginn am Meer, höchster Punkt: 1.340 Meter, dazwischen wieder runter auf 0 Meter am Ufer des Sognefjords. Viele, viele Höhenmeter. Gegen papierne Reiseführer spricht schon das Gewicht.

Hört man sich unter "Digital-Reisenden" um, nutzen sie die Technik unterwegs zum Navigieren, schlagen Informationen vor Ort nach – vorzugsweise online in Wikipedia oder per Googlesuche – und bleiben über E-Mail, Skype und Facebook mit der Welt in Kontakt.

Sucht man in den verschiedenen App-Läden nach "Reise", ist die Auswahl alles andere als übersichtlich: Unter 40.000 Apps in der "Travel"-Sektion des Apple-App-Stores etwa finden sich vor allem Städteführer, Stadt- und U-Bahn-Pläne, Flughafeninfos. Sucht man nach "Norwegen", ist eine App über Einfuhrbestimmungen für Alkohol ganz vorne. Praktisch für Schmuggel-Touristen, nicht für Wandern oder Radtouren mit kleinem Gepäck.

Nach Relevanterem muss man genauer suchen: Für West-Norwegen, Oslo und Bergen finden sich etwa Apps mit Städte-Infos (für Oslo kostenlos von der Stadtverwaltung) oder von SAS (Android; iOS), Norwegen-Reiseführer wenig bekannter Anbieter sowie Sprachhelfer.
Auch die großen Reiseverlage haben Angebote für Tablets und Smartphones entwickelt, auch wenn manches noch experimentell wirkt:

Unser Autor bestimmt mit einer App seine geografische Höhe.

* Marco-Polo bietet den Reiseführer Norwegen als digitales Buch unter anderem in Apples iBooks-Laden (mit Apple-Kopierschutz; 7,99Euro) und im verlagseigenen Shop (mit Adobe-Kopierschutz: 7,99 Euro). Außerdem ist eine App mit Städte-Guides (je 4,49 Euro) verfügbar; Städte in Norwegen fehlen darin bisher.

* deutschsprachige Lonely-Planet-Ausgaben gibt es digital bei Amazon im Kindle-Format (12,97 Euro) oder als PDF-Datei beim Verlag oder Buchhändlern (17,99 Euro).

* Lonely-Planet-Originalausgaben (englisch) gibt es vom Verlag in den Formaten PDF, EPUB, Kindle. Der Band Norway ist nur im PDF-Format erhältlich (12,25 Euro; auch kapitelweise für je 3,50 Euro).

* Der Michael-Müller-Verlag bietet Städte- und Wanderführer als Apps für iOS, Android und Windows Phone; Ziele in Norwegen sind darunter allerdings bisher nicht. Auch eBooks fehlen weitgehend, noch diesen Herbst soll aber ein Großteil des Sortiments als eBook verfügbar sein.

* Der Reise-Know-How-Verlag bietet für iOS und Android eine kostenlose Katalog-App an, in der sich einzelne City-Guides kaufen lassen, darunter ein Oslo-Guide (5,49 Euro). Reiseführer für Skandinavien, Norwegen, Südnorwegen und Oslo sowie einen Norwegisch-Sprachführer gibt es in PDF-Form, ohne Kopierschutz (6,90 bis 21,90 Euro; auch seitenweise für 9 Cent/Seite).

Für die Radreise kommt zu Testzwecken der Marco-Polo-Führer aus dem iBooks-Store und die PDF-Version des Lonely Planet mit. Gewichtsersparnis: ein knappes Kilogramm.

Mit Reiseführern und Guide-Apps für Städte und den geplanten Rallarvegen (kostenlos, auf Norwegisch [Android; iOS) geht es los: Von Berlin mit der Bahn nach Kiel und dann mit der Fähre nach Oslo. Die erste Überraschung: Auf dem Schiff gibt es WLAN (teuer), auch in manchen Zügen ab Oslo gibt es WLAN (kostenlos), sowieso in fast allen Cafés. Auch ohne lokale Prepaid-Karte ist man in Norwegen also nicht tagelang offline, wenn man nicht wochenlang abgeschieden durchs Fjell wandert.

Wir fahren derweil mit der Bahn aus Oslo raus, Höhenmeter gewinnen. Im Familienabteil gibt es Spielzeug und Spielkameraden. Ob die Nutzung pädagogisch gut ist, ist umstritten, aber gerade auf langen Fahrten sind sie hilfreich: Das digitale Spielzeug fasziniert Kleinkinder, Apps wie Drawnimal (nur iOS) animieren immerhin auch dazu, Papier und Stift in die Hand zu nehmen. Für ältere Kinder sind auch Apps für draußen nützlich: Tier- und Pflanzenbestimmung oder zu Himmelskörpern (Android; iOS) und Satelliten.(iOS).