Auf einer Rundreise durch Südafrika habe ich in einer luxuriösen Lodge Station gemacht, in der normalerweise reiche Jagdtouristen ihren Urlaub verbringen. Von ihnen hängen Bilder an den Wänden. Etwa das von einer Familie neben einer toten Antilope. Die kleine Tochter hält ein Gewehr in der Hand, das größer ist als sie selbst. Alle grinsen.  

Ich sage Tavi, dem Besitzer der Lodge, wie ekelhaft ich sowas finde. Er ist selbst Jäger, stimmt mir aber zu. In jeder Branche gebe es Menschen, die sich falsch verhalten. Trotzdem hat er kein Verständnis für diejenigen, die grundsätzlich gegen Jagen sind. Denn wirklich gefährdet sei in Südafrika das Ökosystem, nicht die Tiere. Wenn sie zu viele würden und die Knospen aller Bäume fräßen, werde das Land irgendwann zur Wüste. Der Krüger Nationalpark könne in ein paar Jahren zerstört sein, wenn niemand etwas gegen die Elefanten tue, die sich zu stark vermehrten.

Wenn Tavi redet, bewegt sich der Zahn eines Löwen, der eng um seinen Hals gebunden ist. Er hatte Glück, dass ihn der Löwe nicht gefressen hat. Die Tiere gewöhnen sich nicht an Menschen, der größte Nashornbulle der Gegend rammt immer noch gern Tavis Auto. Tiere würden viel zu oft vermenschlicht, sagt Tavi. Wenn ihre Zähne so abgenutzt sind, dass sie nicht mehr fressen können, lässt er sie von Touristen schießen. Er findet das gnädiger, als sie verhungern zu lassen, auch wenn viele Tierschützer das anders sehen.

Tavi bleibt immer freundlich, aber in seiner Stimme liegt Entschlossenheit. Er erzählt von guten Jägern und von respektlosen. Von denen, die aus Spaß am Töten kommen, und von denen, die den geschossenen Tieren als letztes Mahl ein Blatt ins Maul legen. Der Reiz des Jagens muss nicht immer Mordlust sein, für ihn geht es auch um Geschicklichkeit und darum, das Tier zu überlisten. Jagdtouristen, die aus dem Auto Elefanten schießen wollen, schickt er zu anderen Veranstaltern. Ihr Geld will er nicht.

Tavi hat sein ganzes Leben im Busch verbracht, in engem Kontakt mit den Tieren. Sein Leben fordert ständige Wachsamkeit, weil immer etwas passiert. Mal gehen die Büffel aufeinander los, mal kommen nachts Wilderer, mal versucht ein Nilpferd, Touristen anzugreifen. Tavi sagt, er bekomme nachts oft nur drei Stunden Schlaf. Es beschwert sich nicht. Er scheint genau das Leben zu führen, für das er gemacht ist.

Wenn er von denjenigen redet, die Tiere zu sehr vermenschlichen, meint er auch mich. Ich kann mich nicht davon frei machen. Antilopen, wie sie da mit erhobenem Kopf durch die Gräser trippeln, sehen für mich aus, als kämpften sie jeden Tag um den Titel der "Miss Busch". Und bei den lethargischen Büffeln denke ich immer, sie hätten ihren Joint genau in dem Moment versteckt, als das Safari-Auto um die Ecke bog.

Tavis Leben könnte ich niemals führen. Ich würde mich einsam fühlen und hätte nicht genug Energie. Auch nach dem Gespräch mit ihm finde ich nichts Ehrenwertes darin, ein Tier zu töten. Aber ich bewundere Tavi dafür, wie fest er zu seinen Prinzipien und zu seiner Meinung steht.