ZEIT ONLINE: Herr Siepert, auf Ihrer Plattform stellen Menschen ihre persönlichen Traumreisen vor, die dann von anderen Interessierten mit- und weiterentwickelt werden. Steht das Konzept, übernehmen Sie die Organisation. Welche Idee steckt dahinter?

Florian Siepert: Die Demokratisierung des Nischen-Reisens. Der Urlaub ist für viele Menschen der Höhepunkt des Jahres. Warum sollten sie diese Zeit nicht genau so verbringen, wie sie sich das vorstellen? Über unsere Plattform bringen wir Menschen mit sehr individuellen Vorstellungen zusammen und geben ihnen die Möglichkeit, gemeinsam eine Reise zu planen, die es so in keinem Katalog gibt. Ist die Planung abgeschlossen, kümmern wir uns darum, dass diese durchgeführt wird.

ZEIT ONLINE: Eine Weintour durch Ungarn, zwei Wochen auf den Spuren iso-polyphonischer Volksmusik in Albanien – auf Ihrer Seite finden sich die unterschiedlichsten Reisevorschläge ...

Siepert: Manche Ideen sind anfangs vage, andere schon zu Beginn ganz konkret. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe, die gemeinsam ein italienisches Kochbuch im Cilento recherchieren und verfassen möchte.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach Arbeit. Ist es nicht erholsamer, Zeit mit Freunden oder mit dem Partner zu verbringen?

Florian Siepert: Solche Urlaube können sich zum echten Horror entwickeln: Der eine möchte nur am Strand liegen, der andere etwas unternehmen. Dann muss ein Kompromiss gefunden werden, mit dem im Zweifel beide Seiten nicht ganz einverstanden sind. Auf unserer Seite finden sich dagegen Gleichgesinnte zusammen.

ZEIT ONLINE: Die Mitglieder einer Gruppe lernen sich oft erst bei Antritt der Reise kennen. Woher wissen Ihre Reisenden, ob sie sich mit den anderen verstehen werden?

Siepert: Sie sind keine Unbekannten mehr. So eine Reiseplanung dauert ein bis zwei Wochen. Die Teilnehmer schreiben sich Mails, tauschen sich auf der Website aus oder kommunizieren über Twitter miteinander.

ZEIT ONLINE: Ist es für Sie nicht mühsam, den Vorstellungen der Teilnehmer gerecht zu werden?

Siepert: Wir sind mehr Plattform als Organisatoren: Wenn eine Gruppe sich auf eine Reise geeinigt hat, schicken sie uns das Konzept zu. Wir suchen ein Reiseunternehmen vor Ort, das die Wünsche und Vorstellungen berücksichtigt. Das ist eine Win-Win-Situation: Lokale Reiseunternehmen planen oft ins Leere hinein, ohne wirklich zu wissen, was die einzelnen Reisenden interessiert. Von uns bekommen sie diese Infos schriftlich. 

ZEIT ONLINE: Aber eine Reise für lauter selbsternannte Experten zu organisieren, muss doch schwierig sein?

Siepert: Das gemeinsame Interesse an einem Thema wie "Weine der Loire" ist es, das diese Reisen reizvoll macht. Wann hat man im Alltag schon die Möglichkeit, sich über solche Sachen mit verschiedenen "Experten" auszutauschen? Man lernt viel von den anderen, weil jeder Teilnehmer einen anderen Hintergrund und Wissensstand hat. Außerdem habe ich in der Musikbranche angefangen und früher auch Tourreisen für Gangsterrapper organisiert. Eine Trüffelreise ins Piemont zu veranstalten ist dagegen die reinste Entspannung. Bisher wurde niemand verhaftet. Das war in meinem früheren Job nicht so.

ZEIT ONLINE: Wenn alles individuell geplant wird, kostet das bestimmt mehr als eine Pauschalreise. Wie teuer ist denn zum Beispiel eine Trüffelreise?

Siepert: Wir versuchen mit den Veranstaltern Lösungen in der unteren bis mittleren Preiskategorie zu finden. Unser Angebot soll Menschen jeden Alters und Einkommens offen stehen. Wenn eine Gruppe  unbedingt mit einem goldenen Privatjet um die Welt reisen möchte, würden wir sicherlich auch einen Anbieter finden, der das möglich macht. Bislang haben wir je nach Dauer und Destination aber nur Reisen zwischen 370 und 700 Euro angeboten.

ZEIT ONLINE: Das klingt fair. Ihre Plattform ist seit März online. Sind Sie seitdem nicht ständig in Versuchung, selbst mitzufahren? 

Siepert: Ich stehe mir selbst ein bisschen im Weg, weil mich so viele Reisen ansprechen. Aber mein Unternehmen kann nur wachsen, wenn ich nicht bei jeder Reise dabei bin. Ich übe mich in Selbstdisziplin. Nächstes Jahr fliege ich aber mit einer OpenTrips-Gruppe nach Taiwan: Drei taiwanesische Köche nehmen uns mit auf eine Tour durch ihr Land. Wann bekomme ich das nächste Mal so eine Chance?