ZEIT ONLINE: Frau Bensen, Sie waren mit einem Mann auf Reisen, den sie kurz zuvor beim Onlinedating kennengelernt hatten: drei Wochen Europa, ohne Gepäck. Das klingt so unglaublich – haben Sie diese Geschichte erfunden?

Clara Bensen: Das wurden wir öfter gefragt. Aber nein: Jeder kann sich die Fotos von uns anschauen und Jeff und ich sind immer noch ein Paar.  

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie sich getroffen? 

Bensen: Im April dieses Jahres stachelten mich Freunde an, mein Leben zu verändern. Also habe ich mich auf der Onlinedating-Plattform OkCupid angemeldet. Etwa 2.000 Fragen werden einem dort gestellt. 

ZEIT ONLINE: Die haben Sie alle beantwortet? 

Bensen: Viele, nicht alle. Kurz nachdem ich mich angemeldet hatte, wurde mir Jeffs Profil vorgeschlagen. Wir hatten eine 99-prozentige Übereinstimmung. 

ZEIT ONLINE: Was hat Ihnen an Jeff gefallen? 

Bensen: Bei seinen Interessen hatte er "türkischen Kaffee zubereiten" geschrieben, das fand ich witzig. Auch, dass sein Lieblingsphilosoph Diogenes ist. Der ist zufälligerweise auch meiner.

ZEIT ONLINE: Wie ging es weiter? 

Bensen: Ich habe mir kein weiteres Profil mehr angeschaut und wir begannen, uns zu schreiben. In der dritten Mail erzählte er mir von seinen Plänen für den Sommerurlaub: drei Wochen Europa, ohne Route und ohne Gepäck. Nur mit einem Hinflug in die Türkei und einem Rückflug aus England.  

Das Paar und sein Gepäck. Um weitere Bilder der Reise zu sehen, klicken Sie bitte auf das Foto. © Clara Bensen

ZEIT ONLINE: Hat er gleich gefragt, ob Sie mitkommen?  

Bensen: Er hat mich nicht direkt gefragt, aber es angedeutet. Nachdem wir uns das erste Mal gesehen hatten, war mir klar: Ich bin dabei. 

ZEIT ONLINE: Haben Sie sich keine Sorgen gemacht, dass das schiefgehen könnte? Sie kannten sich ja kaum. 

Bensen: Es ging mir nicht darum, mit meinem neuen Partner zu verreisen, sondern etwas Verrücktes mit einem Menschen zu machen, der mir nah ist – wenn auch erst seit kurzer Zeit. Aber viele meiner Freunde waren geschockt. 

 ZEIT ONLINE: Sie trugen 21 Tage lang dasselbe grüne Kleid, ihr Partner dieselbe Hose und dasselbe Shirt. Haben Sie sich nie unwohl gefühlt? 

Bensen: Wir haben das als Test gesehen: Wie viel Gepäck braucht man wirklich? Unsere Antwort lautet: nicht viel. Sonst hätten wir uns unterwegs etwas gekauft. Die andere Herausforderung war, so kostengünstig wie möglich zu reisen: Wir haben über Couchsurfing unsere Übernachtungsmöglichkeiten gefunden. Im Schnitt haben wir 39 Dollar pro Tag ausgegeben.