ZEIT ONLINE: Herr Spits, wenn Sie aus dem Fenster schauen, was sehen Sie?

Daan Spits: Ich schaue auf die verschneite Seitenfront des Chalets, in dem ich als "Houssitter" seit Mitte Dezember arbeite. Gerade ist es ganz ruhig, weil die Gäste, die ich versorge, Skifahren sind.

ZEIT ONLINE: Was machen Sie als "Housesitter"?

Spits: Ich bin eine Art Hausherr. Das Haus gehört einer holländischen Firma, für die arbeite ich. Jede Woche kümmere ich mich um zwölf Gäste. Bevor eine neue Gruppe eintrifft, mache ich den Wocheneinkauf, bei ihrer Ankunft habe ich schon eingeheizt und Glühwein gekocht. Außerdem organisiere ich Skipässe und Skier für sie und zeige ihnen die Gegend. Morgens bereite ich das Frühstück zu und abends koche ich ein Drei-Gänge-Menü. Die Zimmer muss ich allerdings nicht putzen. Das Chalet ist kein Hotel, auch wenn es sehr luxuriös ist.

ZEIT ONLINE: Was muss man denn können, als Hausherr auf Zeit?

Spits: In dem Chalet bin ich ganz alleine, ich muss alles managen, auch wenn mal etwas schief geht. Und ich muss mit dem Budget, das ich für den Einkauf zur Verfügung habe, umgehen können.

ZEIT ONLINE: Bekommen Sie Geld?

Spits: Wenig. Aber ich habe auch kaum Ausgaben, da mir alles gestellt wird. Aber ich arbeite nebenbei selbstständig als Social-Media- und Kommunikationsberater und als Fotograf und Designer. Eines Tages möchte ich ganz unabhängig sein und mein eigenes Business im Gastgewerbe haben. Durch das "Housesitten" lerne ich viel, aber trage nicht das finanzielle Risiko.

ZEIT ONLINE: Sie leben jede Woche mit neuen fremden Menschen zusammen, gibt es manchmal Spannungen?

Spits: Es ist schon vorgekommen, dass einer der Gäste mich mit einem Butler verwechselt hat, das habe ich sofort aufgeklärt. Die Gäste haben fast alle Freiheiten und können sich selbst bedienen. Ich bin auch nur tagsüber in diesem Chalet, ich wohne 15 Minuten zu Fuß entfernt in einem anderem.

ZEIT ONLINE: Aber Sie lernen sie schon ein wenig kennen?

Spits: Das passiert automatisch, eben weil die Gruppe so klein ist. Manchmal esse ich mit ihnen zu Abend oder sie bitten mich mit ihnen ein Glas Wein zu trinken. Dennoch wahre ich Distanz: Schließlich arbeite ich hier und sie machen Urlaub.

ZEIT ONLINE: Was machen Sie, wenn Ihre Gäste unterwegs sind?

Spits:  Zwischen Frühstück und Abendessen gehe ich meistens für ein paar Stunden Snowboard fahren und nach der Arbeit treffe ich mich mit Freunden in der kleinen Stadt, mittlerweile kenne ich hier schon recht viele Leute.

ZEIT ONLINE: Und wie sind Sie zum Hausherren geworden?

Spits: Während meines Studiums habe ich mehrere Jahre in einem Hostel in Amsterdam gearbeitet, das hat mir viel Spaß gemacht. Mit meiner Freundin habe ich schon länger überlegt, etwas Eigenes zu eröffnen. Aber wir wollten wissen: Können wir das überhaupt zusammen? Wir sind dann vor über einem Jahr zusammen losgefahren, erst nach Spanien, dann nach Frankreich. Wir haben auf Weinbergen gearbeitet, zusammen ein anderes Chalet geführt und uns mit den verschiedensten Menschen unterhalten, auch einigen, die sich selbstständig gemacht haben. Meine Freundin ist mittlerweile wieder in Amsterdam, ich bleibe noch bis April hier.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie in diesen anderthalb Jahren gelernt?

Spits: Ich komme nicht aus dem professionellen Hotelbetrieb oder der Gastronomie. Manchmal fühle ich mich wie ein Kameramann: für eine kurzen Zeitraum erlebe ich verschiedenste Menschen, die ich vorher nicht kannte, sehr intensiv. Sie erzählen mir viel Privates und dann sehe ich sie nie wieder. Gleichzeitig weiß ich mittlerweile auch wie dieses Business läuft, wie viel von Seiten der Tourismusindustrie gemacht wird, um Menschen den perfekten Urlaub zu ermöglichen.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie jemanden, der ebenfalls als Hausherr auf Zeit in einem Chalet arbeiten möchte?

Spits: Flexibel sein. Es läuft nie so wie man es sich vorstellt. Und feinfühlig, bei so vielen Menschen muss man ein Gespür für jeden einzelnen haben, gleichzeitig darf man sich selbst nicht vergessen. Und zu dieser Jahreszeit: Wintersportfan sein, ansonsten kann es etwas langweilig werden.