ZEIT ONLINE: Herr Holland-Kaye, Sie sind für den Umbau des Terminals 2 verantwortlich. Was erwartet die Passagiere in dem neuen Gebäude?

John Holland-Kaye: Fliegen löst bei vielen Menschen Stress aus, die strengeren Sicherheitsmaßnahmen- und -kontrollen tragen dazu einiges bei. Um lange Wege zu vermeiden, haben wir die Gates atriumartig um einen Punkt herum angelegt. Es ist wichtig, den Passagieren das Gefühl zu geben, aufgehoben zu sein. Am wohlsten fühlt sich der Mensch, wenn er frei entscheiden kann, was er machen möchte.

ZEIT ONLINE: Ein Terminal ist ein Ort, den man nicht einfach spontan besuchen oder verlassen kann. Wie vermittelt man dort ein Gefühl von Freiheit?

Holland-Kaye: In Heathrow verreisen und landen im Jahr etwa 70 Millionen Menschen, die ganz unterschiedliche Bedürfnisse habe. Einige checken online ein, scannen ihre Boardkarten und möchten am liebsten niemanden sehen und schnell ins Flugzeug steigen. Andere haben wenig Flugerfahrung, sprechen vielleicht kein Englisch und fühlen sich sicherer, wenn sie vor Ort eine Ansprechperson haben. Wir müssen in der Lage sein, auf all diese Bedürfnisse eingehen zu können.

ZEIT ONLINE: Dazu gehört bei Ihnen auch, dass es freies WLAN gibt, das Bodenpersonal insgesamt 70 verschiedene Sprachen spricht, und dass man via Twitter Essen bestellen kann, während man am Check-in steht.

Holland-Kaye: Bestenfalls muss man am Check-in aber gar nicht lange warten. Im Terminal 2 können die Passagiere ihr Gepäck an jedem Flugschalter jeder Airline aufgeben.


ZEIT ONLINE: Der britische Michelin-Koch Heston Blumenthal wird ein Restaurant eröffnen, britische Modemarken wie Burberry sind ebenfalls vertreten und das traditionelle englische Bier London Pride schenken Sie auch aus – all very British. Repräsentiert das Terminal auch die englische Kultur?

Holland-Kaye: Es wird eines der meistbesuchten Terminals in Heathrow werden, da die größte internationale Luftfahralllianz der Welt, die Star Alliance, in ihm untergebracht ist. Das Erste und Letzte, was viele Reisende von England sehen werden, ist Terminal 2. Deshalb heißt es auch The Queen’s Terminal.

ZEIT ONLINE: Die Queen eröffnete 1955 das erste Terminal 2. Wünschen Sie sich noch etwas von damals zurück?

Holland-Kaye: Den Glamour. Stars wie die Beatles und Marilyn Monroe landeten damals am Terminal oder flogen dort ab. Die Fans konnten noch auf den Landeplatz gehen und live sehen, wie ihre Idole aus dem Flugzeug stiegen. Das hatte schon fast Theatercharakter.

ZEIT ONLINE: Wie sieht es denn auf der Baustelle aus?

Holland-Kaye: Es ist eine Herausforderung: Während wir bauen, findet der Flughafenverkehr nämlich ganz normal statt.

ZEIT ONLINE: Am 4. Juni ist die offizielle Eröffnung. In Berlin wird die des internationalen Flughafens BER immer wieder nach hinten verlegt – was können die Berliner von Heathrow lernen?

Holland-Kaye: Die Deutschen wissen, wie man einen Flughafen baut, ich würde mir nie anmaßen, einen Ratschlag zu geben. Aus Erfahrung weiß ich, wie viel schief laufen kann. Das Gute ist: Der Mensch vergisst seinen Ärger schnell, sobald alles läuft und das wird Berlin auch erfahren.