ZEIT ONLINE: Von wo aus hat man den besten Blick auf die Stadt und was sieht man dort?

Violeta Braga: Von den beiden Fernsehtürmen. Vom alten sieht man das Regierungsviertel und das Zentrum. Vom neuen Turm aus sieht man die ganze Stadt. Leider kommt man zu dem nur mit dem Auto.

ZEIT ONLINE: Was sollte man über Brasília unbedingt wissen?

Braga: Es ist eine junge Stadt, sie wurde extra gegründet und geplant, um unsere Hauptstadt zu sein – aber sie besteht nicht nur aus Politik. Die Stadt ist weltoffen, und darauf sind wir stolz. Das merken Besucher gleich, wenn sie mit den Leuten auf der Straße sprechen. Vor allem mit den alten Leuten, die mitgeholfen haben, Brasília aufzubauen, und sich noch an die Zeit erinnern, als es hier noch nicht so viele Gebäude gab.

ZEIT ONLINE:
Wo können Besucher etwas über die Geschichte Brasílias erfahren?

Braga:
In den Ministergärten, am Platz der drei Gewalten und am Präsidentenpalast. Das sind wichtige Orte für uns und unsere jüngere Geschichte. Am Ausgang der Ministergärten kann man sich das Kongressgebäude anschauen, den Palast und die Kathedrale von Brasília. Am Platz der drei Gewalten steht das Modell unserer Stadt. Man sagt, dass Brasília von oben wie ein Flugzeug aussieht. Hier kann man sehen, warum.

ZEIT ONLINE:
Was ist typisch für die Bewohner?

Braga: Die Stadt ist extrem gemischt. Als sie gebaut wurde, sind Menschen aus ganz Brasilien hierhergekommen. Deshalb gibt es hier keine besonderen Ausdrücke und kein typisches Verhalten. Hier gibt es ein Sammelsurium aus ganz Brasilien.

ZEIT ONLINE: Wo triffst Du Freunde und warum gerade dort?

Braga: Im Stadtpark. Der ist einfach fantastisch und ganz in der Nähe des Zentrums. Dort kann man auch super Sport machen und die Kinder mitnehmen zum Spielen. Am Wochenende gehe ich gerne in den Botanischen Garten. Dort gibt es einen Naturlehrpfad und viele interaktive Angebote.

Vom Fernsehturm aus ist der Blick auf die Stadt am besten. © CC BY-SA 3.0 KJBO/flickr

ZEIT ONLINE: Wo kann man dem Großstadtlärm entfliehen?

Braga: Brasília ist voller Grünanlagen. Wenn ich wenig Zeit habe, gehe ich in den Parque Olhos d'Agua oder den Parque Ermida Dom Bosco. Der Olhos-Park ist ein Stück Natur inmitten der Gebäude. Dort kann man die Fauna und Flora beobachten, joggen und spazieren gehen. Es gibt sogar eine Quelle. Dom Bosco ist eine bessere Gegend am Ufer des Paranoá-Sees. Dort fühle ich mich im Einklang mit der Natur, schaue mir den Sonnenuntergang an und treibe Sport. Und es ist ein demokratischer Ort, er steht allen offen.

ZEIT ONLINE: Mit welchem Ort verbindest Du etwas Besonderes?

Braga: Mit dem Kulturzentrum der Banco do Brasil. Der Ort ist für mich besonders, weil ich dort mit meinem Mann häufig hingegangen bin, als wir uns kennengelernt haben. Das Ambiente dort ist einfach toll, es gibt viele interessante Ausstellungen.

ZEIT ONLINE: Was sollte man gegessen oder getrunken haben, und wo?

Braga: Ich mag sehr gerne Hühnerauflauf (galinhada), der wird aus Hühnchen, Reis, Palmherzen (guariroba) und Pequifrüchten gemacht. Das kommt aber nicht aus Brasília, sondern aus Goiás, unserem Nachbarstaat. Weil Brasília noch sehr jung ist, gibt es hier nicht viele typische Gerichte. Das Essen hole ich mir immer auf Märkten, vor allem auf der Feira do Guará. Dort gibt es viele landestypische Gerichte, vor allem aber Früchte, Gemüse, Fisch und Klamotten. 

ZEIT ONLINE: Welches Andenken an Brasília sollten Reisende unbedingt mit nach Hause nehmen?

Braga: Den Himmel, man muss nur nach oben sehen. Und die Architektur! Der tollen Architektur begegnet man hier auf Schritt und Tritt. Es gibt so viele außergewöhnliche Bauwerke, und das Beste ist, dass sie alle auf einem Haufen sind. 

ZEIT ONLINE: Wo kann man am besten Fußball spielen?

Braga: Im Stadtpark natürlich. Der eignet sich für viele Sportarten, und es gibt Platz genug für alle. Dort sieht man Menschen in allen Altersklassen, die dort Fußball spielen. 

ZEIT ONLINE: Wo schaust Du Fußball?

Braga: Ins Stadion gehe ich nicht so gerne. Lieber in eine Bar oder Kneipe. Dort kann ich mich mit meinen Freunden treffen, wir schauen uns die Spiele zusammen an und schwatzen dabei.