Der Kampf einer Bürgerinitiative gegen den Massentourismus in Venedig geht in die nächste Runde. Am Dienstagmittag wurde die venezianische Insel Poveglia von der staatlichen Immobilienagentur Demanio versteigert. Das höchste Gebot hat Umana abgegeben, die Zeitarbeitsfirma des venezianischen Unternehmers Luigi Brugnaro. Sie bot 513.000 Euro. Die Initiative Poveglia per tutti ("Poveglia für alle"), die die Insel im Besitz der Einheimischen halten möchte und ein Crowdfunding-Projekt anstieß, bot am Dienstag 160.000 Euro. Dennoch ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Denn noch muss die Immobilienagentur Demanio über den Zuschlag entscheiden. Umana bot mehr als drei mal so viel wie Poveglia per tutti. Den Kampf um die Insel will die Organisation allerdings noch nicht aufgeben. "Wir setzen darauf, dass nicht nur der Kaufpreis, sondern auch soziale und politische Faktoren eine Rolle spielen", sagt Lorenzo Pesola, einer ihrer Vertreter. Von Demanio heißt es allerdings: "Wir haben einen Monat für die endgültige Entscheidung Zeit. Wir berücksichtigen aber vor allem ökonomische Faktoren und die juristische Situation."

Die Bürgerinitiative feiert das Ergebnis dennoch wie einen Sieg. Die Aktivisten jubeln, trinken zusammen in einer Bar auf der Guidecca. Insgesamt habe Poveglia per tutti knapp 450.000 Euro mobilisiert, die jedoch zum größten Teil in die Restaurierung der Insel investiert werden sollen. Dort sind Anlegestellen für Boote, ein Schulcampus sowie ein großer Park für alle Venezianer im Gespräch. "Wir haben das Gebot absichtlich nicht erhöht, sodass auch unser Konkurrent nicht höher geht", sagt Lorenzo Pesola. "Jetzt muss Demanio entscheiden, ob bei diesem geringen Betrag nicht soziale Gründe wichtiger sind."

Poveglia per tutti will provozieren, vor allem aber "eine Symbolwirkung erzeugen", sagt Lorenzo Pesola. Venedig platzt aus allen Nähten, Bauflächen gibt es nicht, die Stadt ist komplett. Touristenströme überfluten tagtäglich die Lagune, zerstören das sensible Ökosystem und die prachtvollen Bauten. "Ich will kein Spielball der Großkonzerne sein, sondern das Venedig des 21. Jahrhunderts mitgestalten", sagt Pesola. Ob er das darf, das liegt nun in den Händen der Immobilienagentur Demanio.