Die Behauptung, Berlin sei zwar arm, dafür aber sexy, könnte falscher nicht sein. Sexiness liegt im Auge des Betrachters, die deutsche Hauptstadt aber kann nicht betrachtet werden: Wegen der schlechten Verkehrsanbindung kommt kaum jemand hin. Für das Gros der Menschen ist sie fremdes Terrain. Das zeigt ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Dreieinhalb Millionen Menschen leben in Berlin, sieben Milliarden Menschen tun es nicht. Eine Stadt, die Weltstadt sein möchte, kann die Welt nicht ungestraft ausschließen. Tut sie es, ist sie nur eine Stadt.

Berlins Achillesferse ist die Verkehrsinfrastruktur. Die Flughäfen Tegel und Schönefeld bieten, zusammengenommen, Platz für die Insassen von fünf Reisebussen einer mittleren Größe. Die Stadt tat daher gut daran, einen neuen Airport zu planen. Noch besser täte sie nur daran, ihn irgendwann auch mal in Betrieb zu nehmen. Die Planung krankt zudem an einem Detail: Sollte er, worauf nichts hindeutet, jemals eröffnet werden, läge er immer noch in Brandenburg.

Wenn am 25. Mai die Berliner Bürgerinnen und Bürger nun in einem Volksentscheid darüber abstimmen, wie das Tempelhofer Feld, eine riesige innerstädtische Freifläche, in Zukunft genutzt werden soll, bietet sich ihnen eine einmalige Chance. Auf dem Papier stehen zwei Alternativen zur Wahl, die unvereinbar erscheinen: Eine Bürgerinitiative möchte das Feld zu 100 Prozent in seinem jetzigen Zustand erhalten. Der Senat dagegen möchte es einer Teilnutzung zuführen.

Für was das Areal ideal ist

Es gibt jedoch einen Kompromiss, der allen Interessengruppen zur Zufriedenheit gereichen und zudem die Infrastrukturmängel mit einem Schlag beheben würde: Das Tempelhofer Feld sollte als innerstädtischer Flughafen genutzt werden. Das Areal ist dafür ideal geeignet. Am Rand befindet sich ein Messegebäude, das die meiste Zeit des Jahres leersteht – es gibt einfach nur wenige Messen in einer Stadt, die niemand besuchen kann. Es könnte zur Abflughalle umfunktioniert werden. Zwei lange gerade Straßen, die das Feld teilen wie Peitschenhiebe, wären sofort als Start- und Landebahnen nutzbar. Im aktuellen Zustand sind sie den grillenden Sommerfrischlern ein Dorn im Auge. Lediglich einige unverbesserliche Inlineskater und Rennradler nutzen sie für ihre Wettfahrten.

Würde das Tempelhofer Feld als Flughafen genutzt, würden die baulichen Schwächen der Fläche nicht nur behoben, sie würden sogar umgewandelt zu Stärken – ohne dass ein einziger Cent ausgegeben werden müsste. Die Mangelauslastung der anliegenden Gebäude würde beendet. Die Freifläche bliebe zu 100 Prozent erhalten, würde aber zugleich einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Und Berlin hätte obendrein ein Distinktionsmerkmal gegenüber konkurrierenden Städten: einen Flughafen, der sich in Fußnähe zu den wichtigsten Besucherattraktionen befindet, etwa zu einer sehr bekannten Currywurstbude am Mehringdamm.

Die Berliner Bürgerinnen und Bürger sollten daher Nein sagen zu beiden vorliegenden Vorschlägen zur Nutzung des Tempelhofer Felds. Zweimal Nein ermöglicht ein Ja zum innerstädtischen Flughafen Berlin-Tempelhof. Ein Ja zu einer großen Lösung. Ein Ja zu einem harmonischen Miteinander. Ein Ja zur Weltstadt Berlin.