Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat das Flugverbot für amerikanische Fluggesellschaften nach Tel Aviv wieder aufgehoben. Der Ben-Gurion-Flughafen darf seit den frühen Morgenstunden wieder angeflogen werden, wie die Behörde auf ihrer Website mitteilte. Das am Mittwoch um 24 Stunden verlängerte Landeverbot für US-Fluggesellschaften ist damit wenige Stunden vor dem Auslaufen annulliert worden.

Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer "sehr wichtigen Entscheidung" der FAA. Man habe vorher "auf allen Ebenen" agiert, um die USA wieder von dem Flugverbot abzubringen. "Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, wie sicher der Flughafen ist", sagte Katz dem israelischen Rundfunk. Die Umsetzung der Entscheidung durch die Airlines werde etwas dauern, sagte er, nannte aber keinen konkreten Zeitraum. "Wir sind in Kontakt mit den Europäern, damit sie Israel auch wieder anfliegen." 

Die FAA warnte in ihrer Mitteilung jedoch vor einer "sehr wechselhaften Situation" und anhaltenden Kämpfen im nahegelegenen Gazastreifen. Man werde die Situation im Auge behalten und nötigenfalls Maßnahmen ergreifen. Die Sperre war am Dienstag aus Sicherheitsgründen verhängt worden, nachdem eine Rakete aus dem Gazastreifen nahe dem Flughafen zwischen Jerusalem und Tel Aviv eingeschlagen war.

Hamas feierte das Flugverbot als "großen Sieg"

Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) empfahl daraufhin, den Ben-Gurion-Flughafen von Tel Aviv vorerst nicht mehr anzufliegen. Zahlreiche Fluggesellschaften stellten daraufhin ihre Flüge ein. Die Lufthansa hatte angekündigt, auch am Donnerstag keine Flüge nach Tel Aviv durchzuführen. Ebenso setzte der britische Billigflieger Easyjet seine Flüge aus.

Die israelische Regierung reagierte verärgert auf die Maßnahmen und drang auf die sofortige Aufhebung des Verbots. Die palästinensische Hamas-Bewegung bezeichnete das Flugverbot als "großen Sieg".

Mitglieder der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Bundestags kritisieren die Einstellung von Flugverbindungen. Der Grünen-Politiker Volker Beck, der der Gruppe vorsitzt, forderte in der Donnerstagsausgabe der Rheinischen Post, die Lufthansa solle keine Gelegenheit ungenutzt lassen, den Flugverkehr wiederherzustellen. Fluggesellschaften hätten auch Verantwortung für die Menschen, die auf einen funktionsfähigen Flugverkehr angewiesen seien. "Das ist kein Zustand, den man lange hinnehmen kann", sagte Beck. Seine Stellvertreterin in der Parlamentariergruppe, Gitta Connemann (CDU), sprach von einer "Kapitulation des Westens vor dem Terror". Insbesondere nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine über der Ukraine müsse alles getan werden, um die Sicherheit der Fluggäste zu gewährleisten, sagte sie der Zeitung. Israel verfüge aber über ein funktionierendes Raketenabwehrsystem.

Der republikanische US-Senator Ted Cruz warf Präsident Barack Obama vor, mit dem Flugverbot einen "Wirtschaftsboykott Israels" zu starten. In einer Mitteilung verwies er dabei auf Bemerkungen von Außenminister John Kerry, der angedeutet hatte, dass die israelische Wirtschaft ohne Zugeständnisse des Landes im Nahost-Konflikt Schaden nehmen würde. Cruz legte nahe, die Entscheidung der Luftfahrtbehörde FAA sei vom politischen Kalkül des Weißen Hauses gesteuert. Das US-Außenministerium bezeichnete den Vorwurf anschließend als "lächerlich und beleidigend".