Ein Radrennen über 11.000 Kilometer durch Südamerika – unser Autor fährt mit und berichtet hier in Etappen: Etappe 1. Etappe 2. Nun Etappe 3.

Deutlich mehr als 50.000 Höhenmeter liegen inzwischen hinter uns und jeder Teilnehmer des über 11.000 Kilometer führenden Südamerika-Radrennens kann das in seinen Beinen spüren. Sie sind kräftig geworden von diesen schier unendlich langen und steilen Auffahrten, aber sie sind auch müde.

Überhaupt: unsere Körper. Nahezu jeder der 40 Extremradler hatte schon mit Malaisen zu kämpfen, mit Höhenkrankheit, Erkältung durch die harschen Wetterbedingungen, Durchfall, Magenprobleme, aufgeriebenes Sitzfleisch. Für den Fall der Fälle stehen auf den Versorgungsfahrzeugen einige Sitzplätze zur Verfügung, mit denen man sich ins Tagesziel fahren lassen kann. Auch mich hat es schon erwischt.

Unterbringung auf 4.300 Metern © Grüne

Wilbert Bonné, einer der beiden Organisatoren des Rennens, sagt: "Einige Teilnehmer sehen den Trip vielleicht auch eher als Urlaub." Tatsächlich ist das Fahrerfeld sehr heterogen, sowohl bezüglich der körperlichen Konstitution als auch der Bereitschaft, sich zu quälen. Urlaub, sagt Bonné, sei der Trip "ganz bestimmt nicht".

An einigen Tagen tauchen wir ein in den andinen Alltag, teilen uns schmale Naturpisten mit Rindern, Schafen, Hunden und wackeligen Eselskarren, radeln wir an fröhlich grüßenden Einheimischen vorbei, die ihre Felder in mühsamer Handarbeit bestellen. An anderen Tagen wiederum husten wir uns auf dicht befahrenen Überlandstraßen durch die Abgaswolken ungezählter Lastwagen und Busse und fürchten im Verkehr um unsere Gesundheit. Dann wieder gibt es Tage, an denen das Rennen im Mittelpunkt steht und wir keinen Blick für die Schönheiten der Umgebung haben.

Erholungsaktivität: An einem Ruhetag fuhren die Teilnehmer des Radrennens die sogenannte "Death Road" zwischen La Paz und dem Amazonasgebiet. © Grüne

So wie im Apurimac-Tal zwischen Ayacucho und Cusco, wo wir tagelang zwischen 4.000 und 2.000 Höhenmeter pendelten und auf schroffen Naturpisten und garstigem Wetter entweder ins Tal schossen oder uns im Schneckengang die Hänge hochquälten. In den Anden folgen die Pisten eben der Topografie, es gibt nur wenige Brücken oder Tunnel, die für Erleichterung sorgen.

Zugleich sind es diese abseitigen Gegenden, die das Anden-Abenteuer so intensiv machen, denn sie führen, wie es Wilbert Bonné ausdrückt, "direkt hinein in das Leben der Menschen". Wenn wir schweißüberströmt die Hänge hinaufkrabbeln, werden wir in den Ortschaften von respektvoll grüßenden Menschen erwartet, die neugierig auf "die verrückten Gringos" sind.

Manchmal muss man auf dem flachen Altiplano auch schieben. © Grüne

Nach einem touristischen Abstecher zu den Inka-Stätten von Machu Picchu erreichten wir hinter Cusco schließlich den Altiplano, eine Hochebene, in deren Norden der Titicacasee liegt. Hochebene, das heißt, erstens: Es ist eben, das erleichtert das Radfahren. Aber zweitens: Es ist hoch, das erschwert es. Denn die Luft ist dünn auf knapp 4.000 Metern. Hinzu kommen beinahe täglich niedergehende schwere Gewitter und Temperaturstürze – die Effekte von El Niño.

Auf dem Salzsee Salar de Uyuni © Grüne

Belohnt wurden wir durch die Hochgebirgslandschaften entlang des Titicacasees und die spektakuläre Überquerung des Salzsees Salar de Uyuni, auf dem auch ein Einzelzeitfahren anstand. Das erinnerte uns wieder daran, wie dünn genau die Luft ist – für den Fall, dass es jemand vergessen hatte. Im Ziel: Japsen.