Am Freitag, den 12. Dezember, um 20.05 Uhr fährt der letzte Nachtzug von Paris nach Berlin ab. Danach stellt die Bahn die Verbindung ein. Der Nachtzug von Berlin nach Paris hat bereits seine letzte Fahrt hinter sich. Steigen Sie ein! Hier lesen Sie, wie diese Nacht verlaufen könnte.

19.51 Uhr, Paris Est. Mutter, Vater und zwei Kinder, eines fünf Jahre, das andere kein Jahr alt, suchen ihr Abteil. Sie haben einen Liegewagen für vier gebucht. Mit sich führen sie einen Kinderwagen, einen kleinen Rucksack mit Spielsachen und Kuscheltieren, eine Umhängetasche mit Proviant und, in einem zweiten Fach, Windeln, Wickelunterlage und Feuchttüchern, sowie einen Travellerrucksack mit Reisegepäck für vier. Wer mit Kindern reist, muss schließlich die Hände frei haben. Der Einstieg funktioniert reibungslos. Der Kinderwagen, obwohl sperrig, passt zwischen Fenster und Türen, als wäre er von den Zugkonstrukteuren erfunden worden.

20.01 Uhr. Das große Kind: Ich schlaf' oben. (Es klettert die vor dem Fenster an einer Stange eingehängte Leiter hoch, die sich dabei löst.)

Vater (blickt auf): Oh, was is' passiert? (Hängt die Leiter wieder ein.)

Das große Kind: Nichts. Ich schlaf' oben.

Mutter (zum Vater): Meinst du, das geht?

Vater: Ja, schief. (Zum großen Kind:) Du, ich glaub', du fällst da vielleicht runter.

Das große Kind: Ich fall' da vielleicht nicht runter.

Mutter: Weißt du, der Zug fährt ja auch um Kurven, da kann man schon runterfallen. Schlaf' lieber unten.

Das große Kind: Ich. Schlaf'. Oben. (Klettert hoch und hüpft auf der Liege herum.)

Der Travellerrucksack liegt auf einer unteren Liege, der Rucksack und die Umhängetasche liegen auf einer oberen. Die Mutter sitzt mit dem kleinen Kind auf der zweiten unteren Liege, der Vater steht am Fenster. Die Räder des Kinderwagens sind unter den Liegen verstaut, der Aufsatz liegt auf der zweiten oberen Liege.

20.05 Uhr. Mutter: Es geht los. (Das große Kind guckt mit leuchtenden Augen aus dem Fenster, zehn Augenblicke lang, fünfzehn. Dann springt es weiter. Das kleine Kind brabbelt, dann verstummt es urplötzlich für einige Sekunden. Wenig später brabbelt es wieder vor sich hin.)

Mutter (zum Vater): Haha, du bist dran mit Wickeln.

Vater (öffnet den Travellerrucksack, beginnt, von oben Sachen auszuräumen, und verstaut sie auf verschiedenen Liegen und auf dem Boden, bis der Rucksack etwa zur Hälfte leer ist): Wo sind denn die Windeln schon wieder?

Mutter: In der Umhängetasche.

20.23 Uhr. Die Sachen liegen nach wie vor überall verteilt herum, die Eltern und das große Kind mümmeln Brote.

Mutter (bereitet mit dem Brot im Mund eine Milchflasche für das kleine Kind vor. Das große Kind nimmt sich die Cola aus der Umhängetasche und trinkt): Wie schlafen wir denn jetzt?

Vater: Ja, äh, einer unten, einer oben?

Mutter: Und die Große unten, oder? Und die Kleine?

Vater: Die schläft... Ach so. Vielleicht im Kinderwagen, wenn wir den da auf den Boden stellen?

In diesem Moment öffnet der Schaffner die Tür, grüßt und kontrolliert die Fahrscheine.

Schaffner: Der Kinderwagen muss im Fahrradabteil stehen, das ist gleich da vorne.

Vater: Wir brauchen den aber.

Schaffner: Das geht leider nicht, der Boden muss frei bleiben. (Er wünscht eine angenehme Fahrt und absentiert sich.)

Das große Kind: Ich schlaf' oben.

20.58 Uhr. Das kleine Kind liegt, im Prinzip bettfertig, auf einer unteren Liege und quengelt.

Mutter: Wir können sie nicht dahin legen, die fällt doch raus. Da muss sich jemand dazu legen.

Vater: Das ist doch viel zu eng für dich.

Das große Kind: Sie kann bei mir oben schlafen.

Einige Minuten später liegt der Vater mit dem Rücken zum Flur auf der unteren, etwa 70 Zentimeter breiten Liege, auf der, an der Wand, auch das kleine Kind liegt. Er zieht den Vorhang hinter sich zu. Am Boden zwischen den Liegen steht der Travellerrucksack, den die Mutter wieder rückbefüllt hat. Sie sitzt mit dem großen Kind auf einer oberen Liege und redet leise und unter Anwendung aller mütterlichen Tricks auf es ein, es möge unten schlafen.

Das große Kind: Na gut.

Vater (erleichtert): Hast du gerade "Na gut" gesagt? Das ist aber nett von dir.

Das große Kind (laut): Aber ich will noch Cola.

Das Baby erwacht aus dem Halbschlaf und beginnt, zu schreien.