Es gibt eine Handvoll Menschen, die man nicht kennt und denen man trotzdem intime Dinge anvertraut. Dem Hausarzt erzählt man von Prostatabeschwerden. Dem Priester von Ladendiebstählen. Und Hotelangestellten gibt man Auskunft über sexuelle Vorlieben und andere Gepflogenheiten. Wenn beim Check-Out der Pornokanalgebrauch abgerechnet wird, weiß der gewiefte Rezeptionist, wo der Frosch die Locken hat. Die Hotelboys erkennen den Geizkragen daran, dass er das angemessene Trinkgeld verweigert. Und die Zimmermädchen hören und sehen eh immer alles.

Damit ist jetzt Schluss. Endlich keine Rezeptionisten mehr, die ihr Amüsement hinter einer Maske der professionellen Verschwiegenheit verstecken. Kein Lobbygespräch muss mehr peinlich sein, auch nicht jenen, denen eigentlich immer alles peinlich ist: Im Huis-Ten-Bosch-Park in Sasebo bei Nagasaki ist ein Roboterhotel in Planung – das Henn-na Hoteru (zu deutsch etwa "Hotel Seltsam"). Ein Hotel, in dem Roboter die Gäste empfangen. In dem Roboter putzen. Und in dem Roboter sich um die Koffer kümmern.

Smile! © Huis Ten Bosch

Diese Roboter, das ist das Besondere, sehen nicht etwa aus wie Gepäckbänder, Computer mit Touchscreens oder Smartphones. Sie sehen aus wie junge Frauen. Die Androiden vom Modell Actroid werden von der Firma Kokoro hergestellt und wirken zwar etwas wachsfigürlich, sind aber mehrerer Sprachen und Gesichtsausdrücke mächtig. Gute Sache, finden die Betreiber des Hotel Seltsam, die sich offenbar vorstellen können, weitere solcher Roboterherbergen einzurichten.

Und weil wir gerade in der Zukunft sind: In einem Restaurant in Singapur werden Speisen und Getränke von Drohnen serviert. Dieser Tage wurde das neue Konzept vorgestellt. Die Flugroboter sollen weniger Ladung bei höherer Geschwindigkeit transportieren. So könne man das Essen schneller und frischer zu den Gästen bringen, heißt es.


Da wettert unser innerer Kulturpessimist: Der inhumane Mensch soll also der bessere sein? Und er weist darauf hin, dass die Roboter im Henn-na Hotel in Nagasaki nicht wegen ihrer unnachahmlichen Freundlichkeit, Menschenzugewandtheit oder Verschwiegenheit eingesetzt werden, nicht aus humanistischen Gründen also, sondern aus Kostengründen. Im Hotel, das im Sommer eröffnen wird, sollen sie etwa 90 Prozent der anfallenden Servicetätigkeiten übernehmen.

Das, geht es kritisch weiter, soll etwa der Tourismus der Zukunft sein? War nicht die beste Seite des Tourismus, dass er so viele Menschen ernährt? Und überhaupt, man darf sich nicht auf Maschinen einlassen! Hier wieder ein aktuelles Beispiel: Ein Saugroboter hat seine schlafende Besitzerin angegriffen. Ihr Kopf musste von der Feuerwehr aus seinem Vakuum befreit werden.

Aufgrund jahrelanger Übung wissen wir, dass der innere Kulturpessimist nur mit seinen eigenen Waffen zu schlagen ist. Also, Gegenfrage: Was bitte kann der Saugroboter dafür, wenn seine Besitzerin zu dämlich ist, ihr Powernapping am Arbeitsplatz zu machen?