In unserer neuen Serie beantworten Vielreisende und Reiseexperten in zehn Fragen, wie sie am liebsten unterwegs sind. Heute: Verleger Michael Müller.

1. Das Reiseziel: Wohin soll es gehen?

Mit Kindern im schulpflichtigen Alter kann man nicht immer so spontan sein, wie man gerne möchte. So fahren wir häufig in meine zweite Heimat, nach Portugal, wo mein Bruder einen Bauernhof bewirtschaftet und ich für meine Reiseführer recherchieren kann. Oder wir wagen den längeren Aufenthalt in den großen Schulferien. Der kann auf Borneo, in Norwegen oder auch in Rumänien sein. Fünf bis sechs Wochen sind wir dann unterwegs. Das ist old school? Stimmt. Aber nur so lernt man ein Land oder eine Gegend auch wirklich kennen.

2. Die Buchung: Reisebüro, Katalog, Internet oder Smartphone?   

Bei den Reisen, die ich mir individuell und per Reiseführer zusammenstelle, wäre es schwierig, in einem Reisebüro die Handreichungen einzufordern, die dazu nötig sind. Eine Borneo-Reise zu Hause durchzuplanen und die entsprechenden Reservierungen zu tätigen, verschlingt locker 20 Stunden am PC und Telefon. So etwas kann man von keinem Reisebüromitarbeiter verlangen.

3. Die Vorbereitung: Reiseführer, Wikipedia oder Diaabende bei Freunden?

Für eine grobe Vorplanung ist das Gespräch mit Freunden sehr vorteilhaft. Bei der Detailplanung ist ein guter Reiseführer aber ein Muss. Und das sage ich nicht, weil ich selbst einen Verlag für Reiseführer habe. Bei Zielen, zu denen wir keine Bücher herausgeben, greife ich beispielsweise zu den Reiseführern der Kollegen.

4. Vor Reiseantritt: Was muss dringend noch erledigt werden?

Bei exotischen Zielen stelle ich immer eine Anfrage direkt an das Konsulat. So kann ich mich über die neuesten Einreiseformalitäten informieren und über die Impfempfehlungen. Auch die Gültigkeit der Pässe will überprüft sein. Ansonsten ordne ich mich gerne der Unordnung unter.

5. Das Fortbewegungsmittel: Flugzeug, Zug, Auto oder Pferdekutsche?         

Mit der Pferdekutsche wie anno dazumal loszuziehen, hätte schon was. Dinge entdecken, für die man nie einen Blick hatte. Aber im Ernst: Bei Europareisen fahre ich am liebsten mit dem Auto. Da kann die Anreise nach Portugal gerne eine Woche dauern. Wir picken uns auf einer neuen Anreisevariante stets einige Orte heraus, die wir besuchen wollen. Das hat dann manchmal tatsächlich etwas von einem Trip in der Pferdekutsche.

6. Im Handgepäck: Was muss auf Reisen immer dabei sein? 

Ein Laptop, damit ich jederzeit Nachrichten lesen und Mails beantworten kann. Alles andere ist verhandelbar. Na gut, die Zahnbürste muss auch mit. Und ein Handtuch, wie wir aus The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy von Douglas Adams wissen.

7. Unterwegs: Kommunikation oder absolute Ruhe? 

Ich bilde mir ein, dass ich keine Exerzitien als geistige Übung brauche. Der Gedanke nach meinem Urlaub 120 Mails in meinem Postfach vorzufinden, die der Beantwortung harren, verursacht mehr Stress als eine kurze tägliche Übung.

8. Vor Ort: Mutig auf eigene Faust oder nur in der Reisegruppe?

Man muss nicht mutig sein, um auf eigene Faust eine Stadt oder ein Land kennenzulernen. Sofern man eine Regel beachtet: Treibe dich nicht dort herum, wo du dich zu Hause auch nicht herumtreiben würdest. Ein Freund von Reisegruppen war ich noch nie. Warum? Ich werde ungern bevormundet und mache lieber meine eigenen Erlebnisse. Ich mag es, mich in ein fremdes Gebiet zu begeben, unterwegs zu sein. Ich fühle mich dann auf eine Weise lebendig, die mich an die Anfänge meines Autorendaseins erinnert. Ob das jetzt kauzig ist oder individuell, kann ich allerdings nicht beurteilen.

9. Der Preis: Was darf eine Reise kosten?

Eine schwierige Frage. Eine Fernreise mit zwei Kindern in den Sommerferien ist keine günstige Angelegenheit. Wie viel sollte man ausgeben? So viel wie man bereit ist zu zahlen, schätze ich. Vor allem nur so viel, dass keine übergroßen Erwartungen entstehen, die dann vor Ort eventuell nicht erfüllt werden. Da helfen Reiseführer im Vorfeld ganz ungemein.

10. Ach so: Warum ist das Reisen überhaupt wichtig?            

Es gibt so schöne schlaue Spruchsammlungen, ein Beispiel aus der Feder eines Nobelpreisträgers: "Reisen ist das einzig Taugliche gegen die Beschleunigung der Zeit", Thomas Mann (1875-1955).

Da ist schon was dran. Doch eine echte Antwort kann sich nur jeder selbst geben. Ich glaube, wir alle brauchen mal Abstand von uns im Alltag, um uns wieder neu kennenzulernen.

Und wie reisen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Verraten Sie uns bitte in den Kommentaren Ihre Tricks: die besten Buchungswebsites vom Flug- bis zum Übernachtungsportal, die inspirierendsten Magazine, Sites, Sendungen und Reiseführer, nützliche Apps, die tatsächlich nützlich sind, und wenig ausgetretene Wege, Geld zu sparen.