In unserer Serie In 10 Fragen um die Welt beantworten Vielreisende und Reiseexperten, wie sie am liebsten unterwegs sind. Heute: Markus Wahl, Pilot und Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit.

1. Das Reiseziel: Wohin soll es gehen?   

Das ist schwer zu sagen, es gibt so viele spannende Orte auf der Welt. Wenn ich mich auf ein Land festlegen müsste, wäre es Südafrika und die Kapregion. Das Land bietet viele faszinierende Möglichkeiten: Die Landschaft ist abwechslungsreich, das Tierreich aufregend, die Menschen aufgeschlossen und freundlich. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und zu erleben, zum Beispiel Safaris, Whalewatching oder sportliche Aktivitäten wie Canyoning, Radfahren oder Kanufahrten vor atemberaubender Kulisse. Zudem ist das Essen hervorragend und das Wetter im deutschen Winter wunderbar warm.

2. Die Buchung: Reisebüro, Katalog, Internet oder Smartphone?

Ich stelle mir meine Reisen im Internet zusammen, dort finde ich unendlich viele Informationen, die ich im Reisebüro in dieser Ausführlichkeit wahrscheinlich nicht bekommen würde. Deshalb brauche ich keinen festen Ansprechpartner. Vor einer Reise vergleiche ich die Qualität der Unterkünfte über die gängigen Bewertungsportale (z.B. Tripadvisor, Holidaycheck, Yelp). Selten verlasse ich mich auf nur eine Website, da die Bewertungen auf den verschiedenen Seiten teilweise recht unterschiedlich sind. Auch versuche ich, über die Verwendung von mehreren Quellen Fakes, also geschönte Bewertungen, zu entlarven, um vor Ort keine bösen Überraschungen zu erleben.

3. Vor Reiseantritt: Was muss dringend noch erledigt werden?

Aufgrund meines Berufes habe ich eine gewisse Routine im Packen des Koffers, sodass dieser Teil meistens schnell abgeschlossen ist. Trotzdem ist es natürlich etwas anderes, eine dienstliche Reise oder einen Urlaub vorzubereiten. Auf die dienstliche Reise nimmt man schließlich eher selten eine Badehose und Sonnencreme mit. Damit ich nichts vergesse, schreibe ich mir To-do-Listen. Es wäre nämlich ganz und gar nicht erholsam, wenn man am Flughafen steht und feststellt, dass der Reisepass noch zu Hause auf dem Schreibtisch liegt. Über eventuelle Visa-Bestimmungen oder Einreiserichtlinien informiere ich mich auf der Webseite des Auswärtigen Amtes. Hier bekommt man auch wichtige Informationen über die Sicherheitslage vor Ort oder benötigte Impfungen.

4. Im Handgepäck: Was muss auf Reisen immer dabei sein?

In meinem Handgepäck befinden sich die für die Reise benötigten Dokumente und der Reiseführer des Ziellandes, so kann ich mich auf dem Weg schon mal vorbereiten und in Urlaubsstimmung kommen. Natürlich darf auch ein gutes Buch nicht fehlen. Ansonsten versuche ich, das Handgepäck möglichst klein und leicht zu lassen und alles Überflüssige in den Koffer zu verbannen. Manchmal muss man an Flughäfen mit dem Handgepäck lange Wege zurücklegen, dann möchte ich kein großes Gewicht mit mir herumschleppen. Und das Beste: An Bord des Flugzeuges muss ich mich nicht an der alltäglichen Rangelei um den besten Platz im Gepäckfach beteiligen, ein kleines Handgepäck findet immer einen Platz.

5. Die Tickets: Auf dem Handy oder in ausgedruckter Form?

Um den Papierberg, den man auf einer größeren Reise mit sich führt, möglichst klein zu halten, habe ich meine Tickets und Bordkarten auf dem Handy bei mir. Das Handy habe ich ohnehin immer dabei, schon alleine, um Musik hören zu können, wenn unvorhergesehene Wartezeiten entstehen. Wenn sich darauf dann auch gleich die Bordkarten befinden, dann muss ich die nicht extra ausgedruckt noch im Handgepäck dabei haben.

6. Am Ziel: Hotel, Hostel, der Campingplatz, die Privat- oder Ferienwohnung?

Ich bin recht flexibel, was die Unterkunft angeht, solange sie feste Wände hat. Ich bin kein großer Fan des Zelturlaubs, auch wenn diese Art des Reisens bestimmt auch sehr spannend sein kann. Ich übernachte am liebsten in kleinen Pensionen, die noch durch die Inhaber geführt werden. Dort kommt man immer direkt ins Gespräch und erhält viele persönliche Tipps. Außerdem sind kleine Pensionen oft viel gemütlicher als große Hotels.

7. Vor Ort: Mutig auf eigene Faust oder nur in der Reisegruppe? 

Ganz klar: auf eigene Faust! Ich glaube, dass man viel mehr erleben kann, wenn man ein Urlaubsziel ohne Reisegruppe erkundet. Natürlich muss man sich vorbereiten, um zu wissen, was man sich ansehen möchte und was nicht. Wenn mir ein Ort besonders gut gefällt, kann ich ohne Rücksprachen länger bleiben und muss mich nicht an einen Zeitplan halten. Gefällt mir ein Ort hingegen nicht, ziehe ich direkt weiter. Ich bin nicht auf die Abfahrtszeiten des Busses angewiesen oder auf feste Essens- oder Pausenzeiten. Diese Unabhängigkeit finde ich sehr wichtig.

8. Die Hypothese: Geld und Zeit spielen keine Rolle – wohin geht die Reise?

Würden Geld und Zeit keine Rolle spielen, würde ich einen Koffer packen und zum Flughafen fahren. Dort würde ich mir das Reiseziel aussuchen, das mich spontan am meisten reizt, und dort hinfliegen. Vor Ort würde ich das Ziel in aller Ruhe erkunden. Wenn ich dann genug Eindrücke gesammelt hätte, würde ich erneut zum Flughafen fahren und alles von vorn beginnen lassen. Auf diese Weise könnte ich – Stück für Stück – die Welt erkunden.

9. Die Trends: Einmal im Jahr oder mehrere Kurzreisen?

Eine Kombination aus langen und kurzen Reisen ist für mich der richtige Weg. Ich mag es, einmal im Jahr eine größere Reise zu machen, die dann gerne drei Wochen dauern darf und bei der das Reiseziel ein wenig weiter weg liegt. Eine gute Ergänzung dazu sind Kurztrips: ein Wanderausflug auf Mallorca, Radfahren am Rhein oder auch das Erkunden der direkten Umgebung des eigenen Wohnorts. Ich glaube aber, dass der Trend eher zu mehreren, kurzen Reisen pro Jahr geht. Viele Berufe werden immer stressiger, sodass der Bedarf nach einer erholsamen Auszeit immer weiter steigt. Hat man sich früher vielleicht während eines langen Urlaubs pro Jahr erholt, ist die Zeitspanne zwischen diesen großen Urlauben heute zu lang. Man ist einfach früher abgearbeitet. Deshalb tendieren viele Menschen heutzutage zu kürzeren Reisen, zwischen denen der zeitliche Abstand nicht allzu groß ist.

10. Ach so: Warum ist das Reisen überhaupt wichtig?

Für mich persönlich ist Reisen das Schönste, was es auf der Welt gibt. Die Welt bietet unendlich viele sehenswerte Orte, sodass meine persönliche "Wunschreiseliste" für ein Leben viel zu lang ist. Die Möglichkeit, viele Länder zu bereisen, war natürlich auch ein Grund, warum ich Pilot geworden bin. Ich wollte die Chance haben, viele verschiedene Kulturen kennenzulernen und miterleben, unter welchen Umständen andere Menschen ihren Alltag bewältigen und in welcher Umgebung sie tagtäglich ihrem Leben nachgehen. Einen Einblick in diese Lebensvielfalt zu bekommen, bereichert mein persönliches Leben ungemein.

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