Bahnstreik aktuell: Der Bahn-Vorstoß verpufft

Auch nach dem neuen Vorstoß der Bahn ist kein früheres Streikende in Sicht: Die GDL sieht im Vermittler-Vorschlag einen "PR-Gag". Der Streiktag zum Nachlesen im Live-Blog
  • Die Lokführer haben am Mittwoch ihren Streik bei der Deutschen Bahn, den achten im laufenden Konflikt seit September 2014, fortgesetzt. Betroffen war neben Frankfurt am Main vor allem Ostdeutschland, weil die Gewerkschaft GDL dort sehr viele Mitglieder hat.
  • Der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Rüdiger Grube, schlug der GDL am späten Vormittag den früheren Ministerpräsidenten von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD), als unabhängigen Vermittler vor. Gewerkschaftschef Claus Weselsky bezeichnete den Vorstoß als "PR-Gag", kündigte aber an, den Vorschlag in Ruhe zu prüfen, sobald er der GDL vorliege.
  • Der GDL-Streik trifft neben dem Personenverkehr auch den Transport von Gütern – rund zwei von drei Güterzügen in Deutschland gehören der Deutschen Bahn. Der Logistik-Fachverband BME warnte für die kommenden Tage vor einer steigenden Gefahr von Produktionsausfällen in der Industrie, wenn den Betrieben wegen des Ausstandes der Nachschub fehle.
  • Die Bahn aktualisiert hier laufend den Ersatzfahrplan. Er funktioniert nach Unternehmensangaben stabil und zuverlässig: "So wie es im Internet kommuniziert wird, fahren die Züge auch", sagte ein Bahnsprecher.
  • Im Regionalverkehr fuhren laut Bahn am Mittwoch etwa zwei Drittel der Züge – allerdings ist das Angebot je nach Region unterschiedlich groß, besonders dünn sind die Fahrpläne in Berlin/Brandenburg. Von den Fernzügen fuhr etwa jeder dritte.
  • Fragen und Antworten zum Streik und zu den Fahrgastrechten finden Sie hier.
  • Schreiben Sie uns Ihr Streik-Erlebnis unter bahnstreik@zeit.de.

  • (17:15) Falls Sie unsere Grafik noch nicht gesehen haben: Sascha Venohr und Klaus Raab haben sich angeschaut, wie sich im Bahnstreik die Preise für Fernbus-Tickets entwickelt haben: Fahrten kosten bis zu 51 Prozent mehr als vor dem Streik.

  • (16:50) Zu den Profiteuren des Streiks zählen die Fernbusanbieter. Marktführer MeinFernbus/Flixbus sprach von bis zu 150 Prozent mehr Buchungen als sonst üblich. Die Zugriffe auf die Website hätten sich zeitweise verfünffacht. Laut einer Sprecherin setzt das Unternehmen besonders zum Wochenende zusätzliche und größere Busse ein. Aber auch die Fluggesellschaften berichten von einer erhöhten Nachfrage nach Inlandsflügen.

  • (15:10) Hier kommt einer zu Wort, der bei der Bahn Erfahrung als Schlichter hat: Heiner Geißler. Er gibt der großen Koalition Mitschuld am Konflikt: "Man kann diesen Arbeitskampf nur entschärfen, wenn die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf über die Tarifeinheit zurückzieht", sagt er dem Münchner Merkur. Ob Rüdiger Grube ihn auch als Vermittler angefragt hatte?

  • (13:10) GDL-Chef Claus Weselsky will nach eigenen Angaben das Schlichtungsangebot des Bahnchefs prüfen, hält aber offenbar wenig davon. Auf einer Kundgebung in Köln nannte er den Vorschlag, SPD-Politiker Matthias Platzeck als Vermittler einzuschalten, einen "PR-Gag". Weselsky betonte: "Wir sind nach jetziger klarer und deutlicher Ansage bis Sonntagfrüh 9 Uhr alle gemeinsam im Arbeitskampf." Die Gewerkschaft werde den Vorschlag in Ruhe prüfen. Nach jetzigem Stand gebe es keinen Grund, den bis Sonntag geplanten Streik abzubrechen.

  • (12:00) Natalie B., Studentin aus Leipzig, hat uns geschrieben. Sie ist wütend und enttäuscht: "Seitdem ich weiß, dass ein sechstägiger Streik ansteht, sitze ich wie auf glühenden Kohlen, kann kaum schlafen, weil ich mir andauernd Gedanken darüber mache, wie ich am Wochenende nach Hause komme. Fernbusse, die in dieser Richtung nur begrenzt vorhanden sind, sind ebenso wie Mitfahrgelegenheiten bereits ausgebucht, ich bin somit auf die Bahn angewiesen und muss nun tagelang um die vereinzelten Zugverbindungen bangen. Ich finde es eine Zumutung von Seiten der GDL, einen so langen Streik vom Zaun zu brechen, ungeachtet ihrer Mitmenschen."

  • (11:43)

  • (11:17) Die Deutsche Bahn hat der GDL vorgeschlagen, dass an den weiteren Tarifverhandlungen der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als "unabhängige Persönlichkeit" teilnimmt. Platzeck habe sich dazu bereit erklärt, sagte Bahnchef Rüdiger Grube auf einer Pressekonferenz. Das solle der GDL garantieren, dass die Bahn ernsthaft verhandele. Die GDL könne zusätzlich eine eigene Person des Vertrauens hinzuziehen.

    Voraussetzung für diese Vermittlung sei, dass sie sofort beginne und die Lokführergewerkschaft ihren aktuellen Streik beende. Personalvorstand Ulrich Weber fügte hinzu, der Vorschlag bedeute formal keine Schlichtung. Eine Schlichtung wäre aber das Beste, um voranzukommen, so Weber. Inhaltlich hält die Bahn am jüngsten Tarifangebot aus der vergangenen Woche fest.

    Grube wies die Behauptung zurück, die Bahn warte auf die Einführung des Tarifeinheitsgesetzes der großen Koalition. Angesichts der enormen finanziellen Schäden für das Unternehmen könne doch niemand ernsthaft glauben, dass die Deutsche Bahn auf Zeit spiele. Diesen Vorwurf hatte die GDL dem Konzernvorstand mehrmals gemacht.

    Die GDL will den Lösungsvorschlag der Bahn genau prüfen. "Wenn wir es schriftlich erhalten haben, werden wir es uns anschauen, werden wir prüfen und bewerten, was es hergibt", sagte GDL-Vize Norbert Quitter vor der DB-Pressekonferenz am Frankfurter Hauptbahnhof.

  • (09:32) Inzwischen läuft eine Debatte zum Thema Zwangsschlichtung. Der Bonner Arbeitsrechtler Gregor Thüsing regte die Einführung obligatorischer Schlichtungen zur Entschärfung von Tarifkämpfen an – das Ergebnis solle dann aber nicht bindend sein, sagte er der Saarbrücker Zeitung. Die SPD im Bundestag lehnt ein Zwangsverfahren ab. "Das Streikrecht im Grundgesetz ist ein hohes Gut", sagte SPD-Arbeitsmarktexpertin Katja Mast der dpa.

  • (09:14) Am zweiten Tag des Streiks im Bahnpersonenverkehr ist es am Morgen erneut bundesweit zu massiven Verspätungen und Zugausfällen gekommen. Im Fernverkehr fielen laut Deutscher Bahn zwei Drittel der Züge aus, im Regionalverkehr rund ein Drittel. Besonders betroffen: die ostdeutschen Länder und Frankfurt am Main. Der Ersatzfahrplan funktioniere aber weiterhin stabil und zuverlässig, so der Konzern. Um 11 Uhr wollen sich Bahnchef Rüdiger Grube und Personalvorstand Ulrich Weber zum weiteren Vorgehen äußern.

  • (09:00) Guten Morgen! Auch heute begleiten wir Sie durch den Bahnstreik und informieren über die Lage an den Gleisen, Straßen und über mögliche Lösungen für den Konflikt. Das soll keine Einbahnstraße sein – sondern wir freuen uns auf Ihre Bahnstreik-Erlebnisse unter bahnstreik@zeit.de. Wie erleben Sie den Streik?


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