Zwei Wochen auf Mallorca faulenzen, Sangria schlürfen und abends Mickie Krause hören: Diese Urlaubsvision hat für viele Deutsche an Attraktivität verloren. Erlebnisreisen müssen her! Aber nur solche, die pauschal auch gutes Gewissen im Angebot haben. Wo das moderne Umweltverständnis genauso einen Platz hat wie die einzigartige Erfahrung. Ökotourismus ist das Zauberwort der Reise-Marketingstrategien. Ein Wachstumsmarkt, der im Wandel begriffen ist.

Vor mehr als 20 Jahren gründete sich in den USA die International Ecotourism Society (TIES). Sie definierte nachhaltigen Tourismus als "verantwortungsbewusstes Reisen, das die Umwelt schützt und das Wohlbefinden der einheimischen Bevölkerung aufrechterhält". Es geht also nicht nur um Naturschutz. Umweltverträglich, wirtschaftlich ergiebig und sozial gerecht will Ökotourismus sein.

Seit die Gesellschaft den Umweltschutz als Thema ernstnimmt, verändert sich die Klientel und das Angebot für diese Reiseform. Megan Epler Wood, Mitgründerin der TIES, erklärte zum 20-jährigen Bestehen, dass man in den frühen 1990er Jahren noch annahm, ein Ökotourist wäre automatisch ein Ausländer in ärmeren Ländern, würde in Khakihosen herumlaufen, nachts an einem Lagerfeuer sitzen und tagsüber allzeitbereit mit einem Fernglas im Busch warten. Heute gehören Angebote für einheimische Touristen in Schwellenländern genauso zum Öko-Tourismus wie Backpacker-Unterkünfte und Luxus-Resorts.

Naturtourismus ist überall. Das hat die Internationale Tourismusbörse in Berlin, das jedes Jahr im März stattfindende Branchentreffen, wieder klar gemacht. Nachhaltiges Reisen kann ein Campingtrip mit Kloschaufel sein, ein Paddel-Wochenende in der Uckermark, aber genauso ein High-End-Tauchkurs auf den Malediven oder ein Badeurlaub in Kambodscha

Der Berliner Reiseunternehmer Thomas Gehlen sagt: "Es kommt nicht mehr darauf an, dass Umweltreisen draufsteht, aber dass es drin ist." Der 54-Jährige arbeitet für den Veranstalter Colibri Travel, der auf Naturreisen spezialisiert ist, von den Eisbergen in Spitzbergen bis hin zu den Lemurenwäldern auf Madagaskar. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Reiseländer von 20 auf 40 gestiegen, und der Umsatz habe sich stetig um zwischen acht und zwölf Prozent pro Jahr erhöht.

Thomas Gehlen bestätigt, dass Öko-Urlaub heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Früher habe man noch gespottet, dass Touristen auf Umweltreisen ihre Strände selbst säubern müssten, erzählt Gehlen, heute sei jedem klar, dass es sich bei dieser Reiseform um ein bewusstes Erholungserlebnis handelt. Er unterscheidet zwischen drei Zielgruppen: Familien mit Kindern über zehn Jahren, jungen Erwachsenen mit einem geringen Budget und älteren solventen Reiseprofis. 

Kunden von Reiseanbietern sind durch Internet und persönliche Recherchen deutlich besser informiert als noch vor zehn Jahren. Sie erwarten, dass der Katalog auf umweltfreundlichem Papier gedruckt und eine Spende an ein gemeinnütziges Projekt vor Ort im Preis inbegriffen ist. Möglichst kleine Reisegruppen mit unter 10 Teilnehmern sowie einheimische Führer, wenn möglich Spezialisten, gehören zum Standard. "Sechs Reisende auf einen Tiger, dann kann hat jeder Teilnehmer ein deutlich intensiveres Erlebnis. Oder Sie gehen in einer kleinen Gruppe auf einen Markt und kommen tatsächlich mit der Bevölkerung in Kontakt", so beschreibt Gehlen die Erwartungshaltung seiner Kunden.