Wer sagt, dass die rosarote Prinzessinnenwelt allein Mädchen anspricht, hat meinen knapp vierjährigen Sohn noch nicht erlebt. Er liebt den Frosch, der gegen die Wand klatscht, ebenso wie das Schwesterchen, das in der Badewanne verbrüht. Kein Abend ohne Märchenlesung, kein Wochenende ohne Puppentheater. Als ich ihm sagte, nun käme eine echte Königin nach Berlin, lachte er mich aus, weil ja alle seine Königinnen echt sind. Ich sagte ihm, sie sei schon so alt wie seine Urgroßmutter, habe aber ihren Hut pickepackevoll mit Programm. "Ihre Krone", korrigierte er mich.

Ich besah mir das Programm der Queen. Darunter war eine Bootstour auf der Spree, etwas, was ich mit meinem Sohn schon lange vorhatte, und so entschied ich, dass wir ihrer Agenda vorauseilen würden. Ich übernahm das Puppentheater an diesem Sonntag selbst und verlegte es aufs Wasser. Die königliche Aura, sie würde sich bereits ankündigen als eine Schleppe aus Schaum, welche die Boote über die Spree zogen. Die Queen, hieß es, würde vom Schloss Bellevue zum Bundeskanzleramt fahren. Moment mal, vom Schloss Bellevue zum Bundeskanzleramt? Was gab es da denn … gab es da etwas … das waren doch bloß … hatte ich da bisher irgendwas verpasst?

Wir bestiegen also am Haus der Kulturen der Welt das Sonntagnachmittagsboot Spree-Blick II, was zweifach passend war, weil die Königin auch eine II im Namen führt und wir außerdem zwei Blicke auf die Spree werfen wollten. Sohn: "Warum ist das Boot so klein?" Vater: "Weil der Fluss so klein ist." Sohn: "Gibt es hier auch Wale und Delfine?" Vater: "Mal sehn. Schön aufpassen." Sohn, vorfreudig: "Und was ist das hier?" Vater: "Das sind künstliche Blumen." Herrlich, wir kamen gleich in Queen-Stimmung, mein Sohn hielt sich das stiel- und stillose Bündel weißer Rosenköpfe sogar an den blauen Sommerhut.

Unwürdig, die "Spree-Lady"!

So sieht man Berlin mit den Augen der Queen. © Jan Böttcher

In den nächsten sechzig Minuten beschäftigten uns die Namen der vorbeifahrenden Boote, die ich allesamt mehrfach aufsagen musste, denn wir wendeten zweimal und die anderen Boote auch nicht seltener. Gauck würde sicher nicht darauf verzichten, die Europa auch am Mittwoch kreuzen zu lassen, dachte ich, aber hoffentlich fuhr man Queen Elizabeth II nicht mit der unwürdigen Spree-Lady entgegen! Mein Sohn wurde ungeduldiger, je öfter sich diese Namen wiederholten, und auch ich dachte zurück an den Tiger, der in seinem Käfig im Friedrichsfelder Tierpark auf- und abgegangen war.

Kam die Bootsfahrt der Queen denn auf Einladung des Bundespräsidenten zustande? Elizabeth mochte sich, als sie einwilligte, die Themse zwischen Tower und Westminster vorgestellt haben, mit einem vierhundert Meter breiten Panoramablick. Während man doch in Berlin aus dem Sitzen nicht einmal die Traufkante der Gebäude sah.