Der Terroranschlag in Tunesien wird dem Tourismus im Land nach Einschätzung der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft stark schaden. Dies sei auch das Ziel der Attentäter gewesen, sagte der Präsident des Vereins Werner Böckle in Djerba. "Wenn jetzt der Tourismus einbricht, hat das für das Land verheerende Auswirkungen." Bis zu 15 Prozent der Erwerbstätigen seien direkt vom Tourismus abhängig.

Der Präsident der Vereinigung tunesischer Reiseverbände Mohamed Ali Toumi fand am Freitagabend im tunesischen Fernsehen noch deutlichere Worte: "Das war's, jetzt sind wir pleite." Was aus seinen 14.000 Angestellten werden solle, wisse er nicht.

Im Küstenort Port El-Kantaoui nahe der Stadt Sousse hatte ein Attentäter am Freitag mindestens 38 Menschen am Strand und auf dem Gelände des Hotels Imperial Marhaba erschossen. Sicherheitskräfte töteten den Mann. Er soll ein tunesischer Student gewesen sein.

Hunderte Touristen versammelten sich allein in der Nacht zu Samstag am Flughafen von Enfidha, um das Land zu verlassen. Der Flughafen liegt zwischen Sousse und Tunis. Rund ein Dutzend Flüge in Richtung Europa war in der Nacht angesetzt. Zahlreiche Busse mit weiteren Touristen trafen am frühen Morgen ein. Urlauber sagten, ihre Reiseanbieter hätten ihnen geraten, nach Hause zu fliegen.

Der deutsche Reiseveranstalter TUI ist an dem Hotelkomplex bei Sousse beteiligt. Ob TUI-Gäste unter den Toten sind, ist noch nicht klar, der Konzern schreibt auf seiner Website: "Aber wir müssen davon ausgehen." Etwa 260 Gäste des Reiseveranstalters waren zum Anschlagszeitpunkt in der Nähe des Tatorts. In ganz Tunesien machen zur Zeit etwa 3.800 Menschen Urlaub mit der TUI.

Der Chef des Reisekonzerns, Fritz Joussen, hat den Angehörigen die volle Hilfe des Unternehmens zugesagt. TUI hat einen Krisenstab eingerichtet. Gäste, die in der aktuellen Sommersaison eine Tunesienreise gebucht haben, könnten diese bei Abreise bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren. Auch bei anderen Reiseveranstaltern können Kunden ihre Reisen stornieren oder umbuchen.

Britische Reiseanbieter haben am Samstag mindestens zehn Flugzeuge bereitgestellt, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen. Reisebüros wie Thomson oder Thomas Cook stellten es Urlaubern frei, ihren Urlaub kostenlos zu stornieren.

Etwa 400.000 Deutsche fliegen jedes Jahr nach Tunesien in den Urlaub. "Es zählt zu den beliebtesten Reiseländern in Nordafrika", sagte Torsten Schäfer, der Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV).  Nach den Protesten Anfang 2011 habe es zwar einen Besucherrückgang aus Deutschland gegeben. "Das Land erholte sich aber recht schnell, und seit 2012 steigen die Gästezahlen wieder stetig an", sagte Schäfer. Der Tourismus sei eine "tragende Säule für das Land" und sichere Wirtschaftswachstum. "Die deutsche Reisebranche steht weiter zu Tunesien."

Anschlag auf Bardo-Museum ist noch nicht vergessen

Erst vor drei Monaten waren bei einem Attentat auf das Bardo-Nationalmuseum in Tunis 21 ausländische Touristen getötet worden. Die Reiseveranstalter setzten zuletzt vor allem auf Lastminute-Buchungen und warben mit "unschlagbaren Preisen in Tunesien", um die diesjährige Saison noch zu retten.

Ein französischer Reiseveranstalter sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Der Anschlag auf das Bardo-Museum war bereits schwierig, aber jetzt wurden die Touristen am Strand getötet." Das sei es, was die Leute abends im Fernsehen sähen. "Und natürlich wollen sie dort dann nicht ihren Urlaub verbringen."

Der tunesische Regierungschef Habib Essid hatte in der Nacht zu Samstag gesagt, dass ein spezieller Plan zum Schutz von Touristen erarbeitet würde. Ab 1. Juli sollen Soldaten entlang der kompletten Küste Tunesiens und vor den Hotels patrouillieren.