Wie geht es der griechischen Tourismusbranche?

Griechenland ist und bleibt ein Reiseland. Eine unsichere Lage ist für die Reisebranche allerdings immer schlecht. Wenn in einem potenziellen Urlaubsland möglicherweise die Lebensqualität eingeschränkt ist, suchen viele lieber ein anderes Ziel.

Aus der griechischen Tourismusbranche gibt es derzeit immer wieder negative Nachrichten. Dem Tourismusverband des Landes, Sete, zufolge machten im vergangenen Jahr noch 22 Millionen Menschen Urlaub in Griechenland – eine Rekordzahl. Für dieses Jahr wurden eigentlich noch mehr erwartet. Dass diese Hoffnung der Touristiker sich erfüllt, ist wegen der anhaltenden Krisenlage aber mindestens fraglich.

Einzelne Veranstalter melden, dass derzeit weniger Individualreisen gebucht werden als im Vorjahreszeitraum. Laut dem Verband Sete ist die Zahl der Last-Minute-Buchungen in den vergangenen Wochen stark eingebrochen. Statt der für die Hochsaison üblichen 120.000 Last-Minute-Buchungen täglich gebe es nun 30 bis 40 Prozent weniger, werden Sete-Vertreter zitiert.

Beim Deutschen Reise-Verband, der nur Zahlen über deutsche Reisende erhebt, vermittelt sich ein anderes Bild. Der Last-Minute-Sektor sei relativ klein; im Mai etwa habe es einen deutlichen Buchungszuwachs gegeben, heißt es dort.

Das griechische Statistikamt Elstat teilte am Donnerstag mit, dass sich die Zahl der ausländischen Urlauber im ersten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,6 Prozent auf 1,7 Millionen erhöht habe. Das betrifft die Zahl der eingereisten Urlauber. Für den gleichen Zeitraum meldete Sete jedoch einen Rückgang der Buchungen für das Restjahr.

Verlässliche Urlauberzahlen können allerdings erst im Rückblick genannt werden. Aus dem laufenden Betrieb gibt es nur Wasserstandsmeldungen.

Was bedeutet die aktuelle Situation für Touristen?

Für Pauschalreisende, die ihren Urlaub bereits vorab bezahlt haben: relativ wenig. Sie sollten auf die Reise aber nicht ausschließlich eine Kreditkarte mitnehmen.

Sollte man tatsächlich Bargeld dabei haben?

Ja. Griechen dürfen derzeit täglich maximal 60 Euro an den Geldautomaten abheben. Touristen sind davon nicht betroffen – doch erstens können die Schlangen lang sein, zweitens hilft der Touristenstatus nichts, wenn ein Automat leer ist.

20- oder 100-Euro-Scheine?

Wer große Scheine hat, muss hoffen, dass sie jemand wechseln kann. Zehner sind gut, Zwanziger noch brauchbar. Damit ist man flexibel und muss nicht ständig große Beträge mit sich herumtragen.

Ist das sicher?

Günstiger als mit der Athener U-Bahn kommt man momentan in der Hauptstadt nicht voran: Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist wegen der geschlossenen Banken umsonst. Die U-Bahn ist häufig entsprechend voll. Wie immer, wenn irgendwo Gedränge herrscht, muss man auf seine Sachen aufpassen.

Die bequeme, aber kostspieligere Variante ist ein Taxi. Das bringt einen sicher, komfortabel und schnell in die Stadt. Anders als vor der Krise sind Athener Taxis inzwischen mit einem verlässlichen Taxameter ausgestattet. Extrarunden lassen sich nie ganz ausschließen, wenn man als Kunde nicht ortskundig ist, sind aber selten. Richtwert: Eine Fahrt vom Flughafen ins zentrale Dreieck zwischen Omonia-Platz, Parlament und Akropolis kostet etwa 45 Euro.

Kann man mit Kreditkarte noch bezahlen?

Ja, das geht auch. Allerdings ist Bargeld (inzwischen in einigen Hotels und Restaurants auch Dollar, Pfund, türkische Lira und bulgarische Lew) aus den oben genannten Gründen gerne gesehen, besonders bei kleinen Unternehmen oder Selbständigen. Denn wenn aus dem Geldautomaten kein Bares mehr kommt, ist jeder Schein willkommen.

Wie und wann sollte man sein Hotel bezahlen?

Sofern es nicht vorab pauschal bezahlt wurde: am besten noch kurz vor der Anreise. Am zweitbesten bei der Ankunft. Und am drittbesten kurz danach. Zumindest einige Hotels in Griechenland vergeben keine Zimmer an Gäste, die erst bei Abreise bezahlen wollen. "Wegen der seit fünf Jahren anhaltenden Krise haben wir unsere Hotel-Politik geändert. Ohne Sicherheit oder Vorkasse vergeben wir keine Zimmer mehr", sagt ein Mitarbeiter des Titania-Hotels im Zentrum Athens zur Begründung.

Kann man seine Griechenlandreise kostenlos stornieren?

Derzeit: nein. Eine Bedrohung von Leib und Leben liegt nicht vor. Man kann den Vertrag mit dem Reiseveranstalter aber "wegen Schlechtleistung" infrage stellen, etwa wenn im Hotel kein Essen mehr vorhanden sein oder wenn es kein Benzin für Ausflugsbusse mehr geben sollte – sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover.