Die Bahn muss Reisende künftig auch an kleinen Bahnhöfen informieren, wenn Züge verspätet sind. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Es wies damit eine Klage der DB Station & Service AG in dritter Instanz ab. Das Unternehmen ist zuständig für die Personenbahnhöfe im Netz der Deutschen Bahn.

Schon 2010 hatte das Eisenbahnbundesamt den Bahnhofsbetreiber angewiesen, an allen Haltestellen sogenannte Dynamische Schriftanzeiger oder Lautsprecher aufzustellen. Es setzte damit eine Vorgabe der Europäischen Fahrgastrechte-Verordnung um. Dagegen klagte die Station & Service AG und verlor in allen drei Instanzen.

Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 5.400 Bahnhöfe. Ende des Jahres würden davon noch 100 ohne technische Infosysteme sein, argumentierte die Bahn. Diese Haltepunkte würden von sehr wenigen Reisenden genutzt, es gebe dort mitunter keinen Stromanschluss oder Mobilempfang. Einen Haltepunkt nachzurüsten, koste etwa 50.000 Euro. Dies sei zu teuer, sagte die Bahn und forderte eine Bagatellgrenze.

"Es könnte nicht an einem Haltepunkt, wo am Tag drei Leute aussteigen und der nicht mal einen Stromanschluss hat, die gleichen Anforderungen gelten wie zum Beispiel am Hauptbahnhof in Leipzig, der natürlich die technischen Voraussetzungen hat", sagte der Anwalt der Bahn, Olaf Otting, in der mündlichen Verhandlung. 

Dem folgte das Bundesverwaltungsgericht nicht. Die Fahrgastrechte-Verordnung verlange, dass Fahrgäste informiert werden müssen, sobald es Informationen über eine Verspätung gebe, entschied das Gericht. "Die Pflicht zur aktiven Information der Fahrgäste verlangt auch, dass der Betreiber des Bahnhofs die Voraussetzungen für eine alsbaldige Weitergabe der ihm vorliegenden Informationen an die Fahrgäste schafft."

Die Bahn hat nun 18 Monate Zeit, um alle Bahnhöfe auszurüsten, die täglich von mehr als 300 Menschen genutzt werden. Haltestellen mit weniger als 100 Fahrgästen pro Tag müssen innerhalb der kommenden vier Jahre mit technischen Informationssystemen ausgestattet werden. Erfüllt die Bahn diese Auflagen nicht, drohen ihr Strafzahlungen.