Paradies, Arche Noah, Garten Eden – biblisch und voller Verheißung sind die Beinamen, die den Galápagos-Inseln oft gegeben werden.

Doch bereits der erste Eindruck nach der Ankunft auf Galápagos macht deutlich: Herkömmlichen Paradiesvorstellungen entsprechen die Inseln nicht. Keine sich im Wind wiegenden Palmen, keine üppige Blumenpracht, kein Süßwasser im Überfluss. Stattdessen schwarze Lavafelder und karge, verbrannte Hänge, auf denen lediglich Kakteen, niedrige Salzbüsche und Palo-Santo-Bäume wachsen. Im Hochland ein feucht-kühles Klima, die Berge eingehüllt in Nebelwolken.

Ein raues Paradies, wenn es denn überhaupt eines ist. In Charles Darwin erweckte die Unwirtlichkeit der Inseln den Eindruck, "in einem arktischen statt einem tropischen Land zu sein". Herman Melville, Seefahrer und Autor von Moby Dick , befand: "Es ist zu bezweifeln, ob irgendeine Stelle auf Erden dieser Inselgruppe an Trostlosigkeit gleichkommt."

Mit dem südamerikanischen Kontinent waren die vor ungefähr vier Millionen Jahren aus unterseeischen Tiefen im Pazifik aufgestiegenen Vulkaninseln nie verbunden. Knapp 1.000 Kilometer trennen sie seit jeher vom Festland. Die tierischen Bewohner müssen also einst auf beschwerlichen, meist unfreiwillig zurückgelegten Wegen hierher gelangt sein. Die jungen Lavafelsen verlangten denjenigen große Anpassungsleistungen ab, die diese lange Reise durch die Luft oder mit den kalten Strömungen, im Gefieder von Vögeln versteckt oder an ein Stück Treibholz geklammert, überlebten. Wer es geschafft hatte, entwickelte sich gezwungenermaßen zum Spezialisten im Überleben in dieser lebensfeindlichen Umgebung - oder er ging zugrunde.

Auf diese Weise entstand eine Tier- und Pflanzenwelt, die weltweit einzigartig ist. Drei Viertel aller auf Galápagos lebenden Tiere sind endemisch, das heißt, es gibt sie nur hier. Galápagos-Schildkröten, Darwin-Finken und Meerechsen finden sich in dieser Ausprägung nirgends sonst auf der Erde.