Trekking in Nepal? Das klang für mich im ersten Moment anstrengend, im zweiten abenteuerlich und in Ruhe betrachtet glaubte ich, dass mich eine Mischung aus beidem erwartet, als ich mich der ZEIT-Reisegruppe in das Königreich im Himalaya anschließen durfte. Die Tatsache, dass es sich um ein "Komfort-Trekking" handelte, sorgte für gewisse Entspannung auf meiner Seite, die ich bislang über keinerlei Bergsteiger- oder sonstige Klettererfahrung verfügte.

Doch spätestens als ich in Kathmandu im wunderschönen Dwarika´s Hotel die weiteren Reiseteilnehmer traf, war ich zuversichtlich, dass der Trek vielleicht eine Herausforderung, aber keineswegs eine Überforderung sein würde: Die waren durchweg mittleren Alters und sahen den kommenden 14 Tagen zuversichtlich und fröhlich entgegen - da konnte ich mir als eine der jüngsten doch unmöglich eine Sorgenfalte auf der Stirn leisten! Und nach zwei Nächten in diesem bezaubernden Hotel, das sich zu Recht eine "Oase der Ruhe" in Nepals quirliger Hauptstadt Kathmandu nennt, war die Akklimatisation an Nepals fremde Welt schon bemerkenswert weit fortgeschritten.

Zunächst standen einige Ausflüge in und rund um Kathmandu auf dem Plan, zum einen ging es per Bus nach Dhulikel, wo uns im Himalaya Horizon Resort eine überwältigender Blick auf die Schneegipfel des Himalaya erwartete. Die gemeinsamen Essen an der langen Tafel mit weißen Tischtüchern, immer die wärmende Frühlingssonne im Gesicht und die monumentalen Gebirgsketten vor Augen, sorgten jedes Mal für andächtige Seufzer - gleichgültig, ob die servierten "Momos" (maultaschenähnliche Teigtaschen) vielleicht wieder etwas scharf für unsere verweichlichten europäischen Gaumen waren.

Besichtigungen der Pilgerstätte Namo Buddha, des Unesco-Weltkulturerbes Changu Narayan und der faszinierenden Königsstadt Bhaktapur rundeten das Trekking-Vorprogramm ab, sorgten für ein gutes erstes Hineinfühlen in die fremde Kultur - und ermöglichten uns ein langsames Herantasten an die Menschen, die uns überall so freundlich begegneten. Wir fühlten uns jedenfalls bestens gerüstet für den Flug nach Pokhara ins Annapurna-Gebiet, wo unser eigentlicher Trek starten sollte. Schon beim Anflug war das Panorama der Bergriesen überwältigend, es schien kaum glaubhaft, dass diese zarte Linie am Horizont KEINE Wolkenkette sein sollte, schließlich befand sich dieses weiße Gebilde auf unserer AUGENHÖHE. Doch beim Näherkommen wurden die Berge immer klarer erkennbar - und die Augen der Passagiere in dem kleinen Yeti-Air-Flieger größer und größer. Auch die abgebrühtesten Globetrotter konnten das Strahlen in ihrem Blick nicht verbergen.

In Pokhara ging es mit einem handbetriebene Floß zur malerischen Fishtail Lodge, die mitten im Phewa-See liegt und von deren Zimmern aus wir einen wunderbaren Blick auf den "Fischschwanz", den fast 7.000 Meter hohen Machhapuchare, genossen. Und beim frühmorgendlichen "Good-Mountain-wakeup-Call" waren die Augen nach einigen Runden des nepalischen Kukri-Rums am Abend zuvor vielleicht erst noch etwas verquollen, wurden aber groß und größer, als der majestätische Fischwanz nach seiner nächtlichen Grauschattierung in den schönsten Morgenrotfarben erstrahlte.

Und dann sollte es auch losgehen: Unsere Sherpas warteten bereits, jeder verstaute in einem großen Bastkorb auf dem Rücken jeweils das Gepäck von zwei Trekkern - das bedeutet: zwei 15-Kilo-Taschen pro Träger. Die Körbe verfügen über ein Tragesystem, das das Hauptgewicht auf die Stirn des Trägers verlagert. So wird das ganze Gepäck dann leicht vornüber gebeugt mit starrer Kopf- und Halshaltung getragen. Dankbar beglückwünschte ich mich für die Entscheidung, nur sehr wenig und ausgesprochen leichte Funktionskleidung zum Wechseln dabei zu haben: Ich konnte mich des schlechten Gewissens nicht ganz erwehren, wenn die kleinen, drahtigen Helfer unsere riesigen Taschen über Stock und Stein wuchteten. Für uns Westler hat auch etwas sehr Befreiendes, mit sehr wenig Gepäck zu reisen. Auch eine ganz spannende Erfahrung dieser Tour.