1. AKTUELL:Reisen in Zeiten von SARS:
Reiseveranstalter und Fluglinien möchten sich gegenüber den Kunden kulant zeigen. Das bedeutet für sie Einbußen - und im Einzelfall für den Verbraucher dennoch keinen befriedigenden Schutz

2. NACHGEFRAGT: Frau Wagner, Reisejuristin bei der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen, über den Kampf um die höhere Gewalt, wenn es um Stornierungen und Umbuchungen geht

3. ONLINE UNTERWEGS: Link-Tipps zum Thema

4. ZEIT-PROJEKTREISEN: Linkhinweis zu den ZEIT-Projektreisen 1. AKTUELL:Reisen in Zeiten von SARS:
Reiseveranstalter und Fluglinien möchten sich gegenüber den Kunden kulant zeigen. Das bedeutet für sie Einbußen - und im Einzelfall für den Verbraucher dennoch keinen befriedigenden Schutz Von Sabine JoklDie Meldungen klingen beinahe wie Nachrichten vom Krieg: Die Zahl der Erkrankten steigt rapide und mittlerweile hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Reisenden, die eine Reise nach Hongkong oder in die südchinesische Provinz Guangdong planen, gewarnt und empfohlen, die Reise zu verschieben. Erstmals in der Geschichte der WHO stehen damit zwei Regionen auf der Roten Liste, in denen nicht Krieg herrscht - sondern eine Krankheit. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS), das zum Tod führen kann, wird wie ein gewöhnlicher Schnupfen durch Tröpfcheninfektion und engen Kontakt zu einem Kranken übertragen. Betroffen sind neben Guangdong und Hongkong weltweit auch Singapur, Hanoi oder Ost-Kanada. Die WHO ist der Ansicht, dass der Höhepunkt der SARS-Welle noch nicht erreicht sei.Die aktuelle Situation hat für die Reiseveranstalter und Fluggesellschaften schwere Konsequenzen. Angeblich verlieren sie durch Stornierungen und die Reiseängste mehr Geld als nach den Anschlägen des 11. September. Dennoch möchten sie sich gegenüber ihren Kunden kulant geben. Wir haben nachgefragt, inwieweit es möglich ist, Reisen in die von SARS gefährdeten Gebiete kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus.So bieten die großen deutschen Reiseveranstalter TUI, Thomas Cook und die REWE-Gruppe - zu ihr gehören u.a. Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC-Reisen - zwar kostenlose Umbuchungen von Reisen in die SARS-Gebiete an. Dabei machen sie jedoch einige nicht ganz unwichtigen Ausnahmen oder Einschränkungen.Hat man bei der TUI eine Reise nach China, Hongkong oder Singapur gebucht, kann man diese bis zum 31. Mai umbuchen. Dies gilt jedoch nur für diejenigen, die den Flughafen auch wirklich verlassen. Ist eines der betroffenen Gebiete nicht das Ziel der Reise, sondern nur ein Zwischenstop, dann gelten die üblichen Storno- bzw. Umbuchungsregeln. Der Reisende hat Pech gehabt, sollte er dennoch fliegen und sich an einem der Flughäfen bei einem mit SARS Infizierten anstecken. Die Brisanz der Situation scheint TUI an Flughäfen nicht hoch genug zu sein.Auch Thomas Cook gibt dem Kunden, die Möglichkeit, Reisen nach China, Vietnam, Singapur und Toronto mit Abflug bis zum 30. April kostenlos umzubuchen. Doch auch hier gibt es Einschränkungen: Die Reise muss beispielsweise genau die Stadt Toronto enthalten. Wer an die kanadische Ostküste fliegt und vorsichtshalber kostenlos umbuchen möchte, hat keine Chance. Das Dilemma wird deutlich, wenn man bedenkt, dass sich inzwischen nicht nur in Toronto Fälle von SARS bekannt sind, sondern auch an der Ostküste Kanadas.Die REWE-Gruppe bietet kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten f ü r Reisen nach Südchina, Hongkong, Singapur und Hanoi an. Doch ähnlich wie Thomas Cook gilt dieses Angebot wirklich nur für die genannten Orte. Hat man beispielsweise eine Reise nach Vietnam gebucht, in der Hanoi nicht enthalten ist, und möchte umbuchen, muss man die Kosten selbst tragen, obwohl sich gefährliche Lungenkrankheit auch auf andere Gebiete in Vietnam ausgebreitet hat.Für die Reiseveranstalter ist der Maßstab für kostenlose Stornierungen das Auswärtige Amt. Und das hat bisher keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen. Solange es eine solche nicht gibt, sieht sich auch keiner der Reiseveranstalter gezwungen, kostenlose Stornierungen zu gewähren - trotz der Reisewarnung der WHO.Auch bei den Fluggesellschaften gibt es Unterschiede in den Regelungen. In einer Pressemitteilung vom 3. März bietet Turkish Airlines an, dass Reisende bis zum 17. April kostenlos umbuchen können. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur, wenn das 1.Segment noch nicht abgeflogen ist. Hat man jedoch bereits ein Teilstück des Tickets in Anspruch genommen, erstattet die Fluggesellschaft die Kosten erst bei Ansteckung.Wie Lufthansa-Chef Jürgen Weber im Morgenmagazin gegenüber dem ZDF sagte, wolle man auf SARS-bedingte Stornierungen von Flügen flexibel reagieren: "Wir wollen keine leeren Flugzeuge durch die Gegend fliegen. Wir brauchen eine bestimmte Auslastung, da wir gerade in dieser schwierigen Zeit wirtschaftlich operieren." Das macht deutlich, dass wohl viele Fluggesellschaften gezwungen sind, v.a. unter Ber ücksichtigung der ökonomischen Gegebenheiten zu handeln.Wer bei British Airways eine Reise in die betroffenen Gebiete gebucht hat, kann diese bis zum 12. April kostenlos umbuchen. Aber nur, wenn man zu dem späteren Zeitpunkt dieselbe Reise mit exakt derselben Route, derselben Klasse bucht und es sich bei den Orten um die Zielflughäfen und nicht nur um eine Zwischenlandung handelt. Außerdem bietet British Airways noch eine weitere Variante der Einschränkung an: Reisende können zwar bis zum 15. April ihre Reise ins SARS-Gebiet umbuchen, müssen die Alternativ-Reise jedoch vorläufig bis zum 31. Mai 2003 antreten.Wer nun auf seine Reiserücktrittsversicherung hofft, muss enttäuscht werden: Laut Claudia Hoffmann, Sprecherin der Europäischen Reiseversicherung, kommt diese nicht für die dem Kunden entstandenen Kosten einer Umbuchung auf. Doch eine Übernahme der abgeschlossenen Versicherung zu der neu gebuchten Alternativreise ist kostenlos möglich. "Tritt der Kunde die Reise in ein von SARS betroffenes Gebiet jedoch an und erkrankt an der gefährlichen Krankheit, so werden die Kosten natürlich von uns erstattet, wenn er eine Auslandversicherung abgeschlossen hat."Die Kulanz hat also ihre Grenzen. Und das obwohl die Verbraucherzentralen der Ansicht sind, dass die SARS-Ausbreitung definitiv die sonst üblichen Kriterien für eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung der entsprechenden Reise erfüllt.2. NACHGEFRAGT:Frau Wagner, Reisejuristin bei der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen, über den Kampf um die höhere Gewalt, wenn es um Stornierungen und Umbuchungen gehtZEIT.de: Was müssen Verbraucher beachten, wenn Sie ihre Reise in ein von SARS gefährdetes Gebiet umbuchen oder sogar stornieren wollen. Geht das kostenlos? Wagner: Sie können dann kostenlos umbuchen, wenn höhere Gewalt vorliegt. Doch genau in der Beurteilung, ob höhere Gewalt vorliegt oder nicht, besteht das Problem. Viele Reiseveranstalter verbreiten, dass es sich um höhere Gewalt nur dann handelt, wenn das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung herausgegeben hat. Doch das ist mit Nichten so. ZEIT.de: Wann kann man denn von höherer Gewalt sprechen? Wagner: Höhere Gewalt liegt vor, wenn ein unvorhersehbares Ereignis eingetreten ist, das die Reise als solche oder den Reisenden gefährdet oder beeinträchtigt. ZEIT.de: Inwieweit ist eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts rechtskräftig? Wagner: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts (AA) ist ein Indiz für das Vorliegen von höherer Gewalt, aber nicht deren zwingende Voraussetzung. Wir benötigen die Aussagen des AAs, weil sich die Frage nach höherer Gewalt immer nur bezogen auf das einzelne betroffene Urlaubsgebiet beantworten lässt. Nur so können wir uns ein Bild machen, wie dort die Lage ist. Aber die Wertung, ob die Situation nun ausreicht, um im juristischen Sinne höhere Gewalt anzunehmen, die trifft keineswegs das AA. Die Entscheidung, eine offizielle Reisewarnung herauszugeben, wird mit einem politischen oder diplomatischen Hintergrund gefällt. Das ist im Fall von SARS eigentlich nicht von Interesse, denn hier handelt es sich in erster Linie um die Gesundheit der Reisenden. Wir sind jedoch der Auffassung, dass in den betroffenen Gebieten höhere Gewalt vorliegt. Man kann bis heute nicht genau sagen, wie ü berhaupt der Übertragungsweg ist. Es lässt sich nicht ausschließen, dass man sich nicht nur über eine Tröpfchen-Infektion anstecken kann, sondern auch über einen anderen Weg, der wesentlich gefährlicher ist. Außerdem besteht natürlich noch die Gefahr, wirklich schwer zu erkranken oder sogar zu sterben. ZEIT.de: Wer kann die Entscheidung, ob höhere Gewalt vorliegt oder nicht, im rechtlichen Sinne fällen? Wagner: Natürlich können auch wir vom Verbraucherschutz das nicht. Das macht im Zweifel ein Richter. Oft ist es so, dass die Reise schon bezahlt wurde. Der Reisende ist der Meinung, es liegt höhere Gewalt vor und kündigt. Doch der Reiseveranstalter ist anderer Meinung und sieht sich im Recht, Stornierungsgeb ühren zu fordern und auch einzuziehen. Verlangt der Kunde sein Geld dann zurück, ist das ein Fall für den Richter. ZEIT.de: Das Auswärtige Amt hat ja bisher keine offizielle Reisewarnung herausgegeben. Viele Reiseveranstalter nehmen jeoch erst eine solche als Maßstab für kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten. Auf deutsch: gibt es eine offizielle Warnung, ist dies möglich, wenn nicht, muss der Kunde sich mit Stornierungs- bzw. Umbuchungskosten abfinden. Das ist eigentlich nicht rechtskräftig, oder? Wagner: Ja, genau so ist es. Zahlreiche Reiseveranstalter vertreten die Auffassung, dass ohne eine formelle Reisewarnung nie höhere Gewalt gegeben ist, und das ist einfach nicht richtig. ZEIT.de: Was raten Sie jetzt konkret Verbrauchern, die ihre Reisen in betroffene Gebiete umbuchen möchten? Wagner: Wir erklären den Verbrauchern, dass es sinnvoll ist, nicht sofort die ganz harte Linie gegenüber dem Veranstalter zu fahren und auf Konfrontation zu gehen. Viele Reiseveranstalter bieten auch von sich aus Umbuchungen an und das ist schon sehr kulant von ihnen. ZEIT.de: Das heißt, sie sind nicht dazu verpflichtet, auch wenn eine offizielle Reisewarnung des AAs vorläge? Wagner: Ja, selbst wenn das der Fall wäre und man sich einig wäre, dass es sich um höhere Gewalt handelt, besteht kein Anspruch auf kostenlose Umbuchung der Reise. Eine solche bleibt Kulanz der Veranstalter. Das Gespräch führte Sabine Jokl.
3. ONLINE UNTERWEGS: Link-Tipps zum Thema Von Sabine Joklwww.who.int/en/
Die Homepage der WHO informiert ausführlich über die aktuelle Situation, Fallzahlen von SARS auf der ganzen Welt und weist auf Vorsichtsmaßnahmen hin. www.vzb.de
Hier wird der Verbraucher darüber aufgeklärt, dass bereits gebuchte Reisen in die SARS-gefährdete Gebiete bzw. Gebiete, wo die Krankheit schon ausgebrochen ist, nach Ansicht der Verbraucherzentrale kostenlos umbuchbar sind. Außerdem gibt es Informationen über die betroffenen Regionen uns Hinweise darü ber, wie sich die Verbraucher verhalten sollen. www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf dieser Seite über SARS und gibt Hinweise zu Verhaltensweisen der Reisenden bzw. Ratschläge zu Reisen in die betroffenen Gebiete. www.rki.de
Hier lässt sich eine sehr aktuelle (vom 04. April 2003) und ausführliche Falldefinition für SARS finden. www.zeit.de
ZEIT-online hat einen Schwerpunkt zum Thema SARS mit zahlreichen Artikeln eingerichtet
4. ZEIT-PROJEKTREISEN:Linkhinweis zu den ZEIT-Projektreisen Alle ZEIT-Projektreisen finden Sie auch unter http://www.zeit.de/zeit reisen . Wenn Sie sich für diese oder eine andere unserer ZEIT-Projektreisen interessieren und sich unverbindlich vormerken lassen wollen, schicken Sie eine Mail an Bernd Loppow, der die Projektreisen betreut: zeitreisen@zeit.de Außerdem können Sie nun alle ZEIT-Projektreisen in unserem Katalog nachlesen. Die Broschüre können Sie im Internet unter http://www.zeit .de/zeitreisen/katalog bestellen.
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