Immer diese Lernerei. Früh aufstehen, Bücher aufschlagen, büffeln. Tagein, tagaus; da soll noch jemand behaupten, Studenten seien faul. Das Radio dudelt vor sich hin. "Wir verlosen einen Job als Door Opener bei der Oscar Verleihung in Los Angeles." Wow, das klingt spannend; schon ist die perfekte Ablenkung da. Aber was ist ein Door Opener? Ich rufe beim Reiseveranstalter Jomo Tours an. "Das ist ein Job als Öffner der Limousinentüren, aus denen die Stars aussteigen." Und ich sollte ihn gewinnen.

Mit dem gewonnenen Ticket in der Hand geht es zum Flughafen. Los Angeles, ich komme! Im Flugzeug blättere ich in bunten Zeitschriften. Zur Einstimmung und Gedächtnisstütze. Schließlich will man keinem Star unerkannt aus dem Auto helfen.

Für 14 Uhr ist die Einführungsveranstaltung der Valet Parking Firma angesetzt. Man erzählt uns, was wir zu tun haben, wie viele Door Opener pro Limousine und pro Lane aufgestellt werden. Einer gibt vorne dem Fahrer die Parkanweisungen und der andere ist hinten der "echte" Türöffner. Immer im Wechsel. Anschließend werden rote Uniformjacken verteilt - schwarze Hosen und bequeme Schuhe müssen wir selbst mitbringen. Als Lohn für den Einsatz winken ganze 40 Dollar. Und ein Hauch Berühmtheit, denn ein deutsches Fernsehteam filmt mich dabei, wie ich an einer Limousine das Türöffnen und meinen Satz übe: "Welcome to the Oscar’s!"

Sonntag. Endlich ist es soweit. Um 15:00 Uhr sollen wir uns treffen, ordentlich frisiert und mit polierten Schuhen. Zunächst kommen nur ganz wenige Limousinen, erwartet werden mehr als 1.000 – aus ganz Kalifornien; teilweise werden sogar aus San Franzisko Fahrzeuge geholt. Meine Kollegin ist perfekt ausgerüstet, mit Einwegkameras und Briefumschlägen, die sie einfach ins Wageninnere werfen will, sobald die Türen aufgehen - in der Hoffnung, möglichst viele Bilder und Unterschriften zu ergattern.

Um halb fünf geht es plötzlich los, eine Limousine nach der anderen rollt vor. Tom Cruise, dann Jack Nicholson. Bei vielen Stars höre ich erst am Kreischen der Zaungäste, wem ich gerade die Tür aufgemacht habe. Im Inneren der Autos stehen geöffnet Champagnerflaschen und halbvolle Gläser. Wann kommt wohl mein ganz persönlicher Favorit, Bruce Willis? Ein neuer Wagen fährt vor, lauter hübsche junge Frauen steigen aus, ein Mann bleibt sitzen und ich rufe: "Sir, would you please get out here!". Aus dem Dunkel kommt mit einem entschuldigenden Grinsen Matt Damon herausgeklettert. Ein toller Augenblick."Really nice to meet you", sage ich vorsichtig."Nice to meet you, too", ruft Matt zurück. Und es hört nicht auf: Ein Star nach dem anderen trifft ein. Wie im Rausch öffne ich eine Tür nach der nächsten.

Das Gebäude dürfen die Door Opener nur betreten, um kurz die Toilette zu benutzen. Und als ich diese Gelegenheit nutze, sehe ich Andie Mc Dowell mit ihrer Nichte am Wasserhahn, Wasser trinkend. Dann rauche ich in einer restricted area eine Zigarette, plötzlich stellt sich Nick Nolte daneben. Er erzählt mir von früheren Oscar Verleihungen und beklagt sich, dass die ganze Veranstaltung eine einzige Inszenierung sei. Nolte genießt während der Verleihungen lieber Whiskey und Zigaretten, auch wenn gerade der Oscar für die beste Schauspielerin verliehen wird. Zurück auf meinem Posten öffne ich ein paar früh heimfahrenden Gästen die Tür. Als meine Kollegin vor Aufregungen auf die Straße springt, eile ich zu ihr, nehme sie an die Hand und zerre sie auf den Gehsteig. "Sexual harrassment", brüllt ein Wachmann, sexuelle Belästigung. So, so.

Meine Füße schmerzen, und so langsam spüre ich die Müdigkeit. Mein Vorgesetzter sieht mich Gähnen und klopft mir freundlich auf die Schulter. "Hey, you did a good job. You can go home." Im Hotel schalte ich sofort den Fernseher ein und erfahre endlich, wer welchen Preis gewonnen hat. Dann schlafe ich todmüde auf dem Sofa ein und träume von Andie Mc Dowell.