Urlaub? Gibt´s nicht! Geht nicht! Können wir nicht! Waren wir nicht! Orientiert man sich an den negativen Schlagzeilen der Reisebranche in diesem Jahr, dann wären ja alle zu Hause geblieben. Stimmt aber nicht ganz. Die Branche hat zwar Verluste eingefahren, aber bei weitem nicht so hoch, wie es scheint. Sie haben auch einen neuen Markt in Aussicht: die Senioren von heute sind reiselustig und das gleich mehrmals in der Saison.

Senioren von heute sind reiselustig und das gleich mehrmals in der Saison. Das Jahr hätte eigentlich gut begonnen, die Menschen buchten ihre Reisen, planten ihren Urlaub. Doch plötzlich tauchten dunkle Wolken auf dem Markt auf: der Irak-Krieg. "Das hat die Buchungen schlagartig zum Erliegen gebracht und Erinnerungen an den Golfkrieg von 1991 heraufbeschworen, wo das Branchenpersonal praktisch sechs Wochen lang Däumchen drehen musste" so Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV.) Die Branche wurstelte sich durch und war mehr als heilfroh, als das vorläufige Ende der Auseinandersetzungen bevorstand.

Doch es sollte nicht zur Ruhe kommen, die ansteckende Krankheit SARS ließ die Leute resignieren. In der Reisewelt bekam die Abkürzung eine eigene Übersetzung, die den Zustand treffend beschreibt: S tatt A uf R eisen – S itzengeblieben – und zwar daheim. Wieder ein Einbruch in der Statistik.

Nachdem dies auch durchgestanden war, sollte im Juni die Aufholjagd beginnen. "Rumms" – da schlug der Super-Hammer ein: die neue Sommerferien-Regelung. "Viele Betten, die im Juni, Juli leergeblieben sind, hätten im August dreifach belegt werden können", so Sybille Zeuch, Pressesprecherin des DRV, "manche, die wollten, kamen einfach nicht mehr zum Zug." Allein die Übernachtungsstatistik des Statistischen Bundesamts weist für den sonstigen Hochsaison-Monat Juli ein Minus von 4,2 Prozent aus. Laut einer repräsentativen Befragung des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) haben in diesem Sommer 52 Prozent der Deutschen keine Urlaubreise unternommen. Neben der finanziellen und beruflichen Situation, ist dies zuletzt auf zu späte Buchungsentscheidungen im weitgehend ausgebuchten August zurückzuführen.

Doch nun endlich die erfreuliche Nachricht. " Die Winterbuchungen sind durch die Bank gut angelaufen. Insbesondere die Frühbucher-Offerten werden hervorragend angenommen", so Klaus Laepple erfreut und liefert auch gleich die Erklärung hinterher: "Wir haben es mit einem Riesen-Rückstau von Urlaubern zu tun, die lange genug Verzicht geübt haben. Jetzt endlich wieder reisen wollen und das auch tun." Er rechnet mit einem Plus für das Geschäftsjahr 2003/2004, bis zu fünf Prozent beim Umsatz und mehr noch bei den Teilnehmerzahlen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wohin? Zuwächse gab es für Bulgarien, den Indischen Ozean, die Kanaren, Kroatien, die Türkei und Südafrika. Rückgänge hatten hingegen Asien, Griechenland, Italien Nordafrika und Portugal. "Eine deutlich steigende Tendenz zeigt sich bei Bulgarien, Kroatien und der Türkei. Da stimmt einfach das Preis -Leistungs – Verhältnis", so Sybille Zeuch, "bei den hochwertigen Reisen hat sich eigentlich nicht viel geändert, die Mittelschicht ist das Problem, da habbert es einfach."

Trotz alle dem bleibt und ist Deutschland mit weitem Abstand das Lieblingsziel der Bundesbürger und dürfte rund ein Prozent zugelegt haben.