Was ist genau das Problem, worum geht es eigentlich? Die Schwierigkeiten in einem Unternehmen können manchmal ganz woanders liegen, als der Kunde auf den ersten Blick glaubt. Manchmal weiß ein Kunde nicht, wie er ein Problem in seiner Firma lösen kann. Oder er möchte wissen, wie andere Unternehmen bestimmte Probleme angehen. Das Unternehmen möchte ein neues Produkt auf den Markt bringen - wie geht man das am besten an? Wie senkt man Produktionskosten, wie verbessert man die Qualität?

An solchen Fragestellungen arbeiten wir in Teams aus Beratern und Mitarbeitern des Kunden. Wenn wir die Ursachen analysiert haben, entwickeln wir mit den Mitarbeitern des Kunden ein Konzept zur Lösung; ist dieses dann von den Führungskräften akzeptiert, setzen wir es gemeinsam um. Das dauert mehrere Monate. Die meiste Zeit davon bin ich beim Kunden vor Ort. Dabei sind wir natürlich nicht die Experten in der jeweiligen Organisation, das ist der Kunde selbst. Wir steuern den unvoreingenommenen Blick von außen bei und bringen unsere Expertise und Erfahrung aus der Strategieentwicklung ein. Gemeinsam in einem Unternehmen etwas zum Positiven zu verändern, fasziniert mich an diesem Beruf. Man hat das Gefühl, etwas bewegen zu können. 

Unternehmensberatung hat viel mit Psychologie zu tun, man muss gut zuhören und den Dingen auf den Grund gehen können. Nur mit oberflächlicher Einschätzung ist es nicht getan, notwendig ist ein tiefes Verständnis des Kunden, seiner Branche, seines Problems.   Zugleich braucht man auch ein Gespür für den Umgang mit Menschen, dafür, was sie motiviert oder frustriert. Denn eine Organisation lässt sich nur verändern, wenn die Menschen die Veränderungen mittragen. Und genau hier setzt die Psychologie an: Wie ist der Mensch, wie denkt und handelt er? Und wie kann man dies verändern? Als ich mich für das Fach entschloss, wusste ich schon, dass ich später in einem unternehmerischen Umfeld arbeiten wollte. Ich wusste aber auch, dass mich der Mensch mindestens ebenso interessiert wie die nackten Zahlen. Viele Psychologen mit wirtschaftlichem Hintergrund arbeiten im Personalbereich oder als Headhunter. Ich wollte an die Schnittstelle der menschenorientierten Sichtweise und der betriebswirtschaftlichen Strategie.  

Wirtschaftliche Kenntnisse brauchte ich natürlich auch. Schon in meinem Studium in München habe ich den Schwerpunkt Arbeitsorganisationspsychologie gewählt und BWL im Nebenfach studiert. Neben dem Studium habe ich in verschiedenen Praktika Einblicke bekommen, und anschließend zwei Jahre bei Mannesmann gearbeitet. Bei der Boston Consulting Group (BCG) bekommen „Exoten“ - so nennen wir die Beraterinnen und Berater, die nicht BWL studiert haben - in einem vierwöchigen Einführungstraining die wesentlichen betriebswirtschaftlichen Grundlagen vermittelt. Nur die Hälfte meiner Beraterkollegen hat Wirtschaft studiert, die übrigen sind beispielsweise Ingenieure, Historiker, Physiker. Außerdem habe ich vor kurzem noch eine Auszeit genommen und in Frankreich und Singapur einen MBA gemacht. Auslandserfahrung ist wichtig, denn die Kunden werden immer internationaler.