Wie beschreiben sie ihren Beruf einem Wirtschaftslegastheniker?
Ich bin halbtags an der Freiberger Uni am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik angestellt und mache gleichzeitig ein Projekt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, für das ich auch halbtags über die Uni angestellt bin. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter wird meine Arbeit von zwei Hauptbereichen dominiert. Zum einen die Lehrstuhlarbeit, das Abhalten von Übungen und alles, was mit den Studenten zu tun hat. Zum anderen die Forschung. Dabei sind sämtliche Aufgaben im Bereich der Wissenschaftsarbeit gemeint. Unter anderem sind das Projekte und Arbeiten, die mit Beantwortung bisher unbeantworteter Fragen zusammenhängen. Da ich am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik tätig bin, liegt der Schwerpunkt der beiden Aufgabenbereiche in diesem Bereich, das heißt unter anderem Themenbereiche wie der Arbeitsmarkt oder Innovationsforschung und deren Einbeziehung in die Politik.

Sie arbeiten also zweigleisig - worin unterscheiden sich die beiden Aufgaben?
Die beiden Aufgabengebiete unterscheiden sich in weiten Teilen schon sehr stark. In der Lehre muss ich mich natürlich mit Dingen beschäftigen, die für mich meistens nicht wirklich neu sind, während ich in der Forschung eigentlich immer Neuland betrete. Dafür ist die Zusammenarbeit mit den Studenten aber äußerst vielseitig, da eigentlich immer unvorhergesehene Dinge geschehen und die folgen zumeist schnell aufeinander. Bei der wissenschaftlichen Arbeit lassen die Ergebnisse dagegen oft länger auf sich warten, was natürlich unter Umständen an der Motivation kratzt.

Was haben Sie studiert?
Direkt nach dem Zivildienst habe ich ein zweimonatiges Praktikum bei der Hypo Vereinsbank gemacht und dann habe ich Volkswirtschaftslehre an der Universität Passau studiert. Während des Studiums habe ich verschiedene Praktika absolviert, unter anderem bei der Fondsverwaltung der Allianz Versicherung, und war für ein Auslandssemester in Finnland.

Warum sind Sie Volkswirt geworden und nicht Betriebswirt?
Natürlich, weil mich die Volkswirtschaft mehr interessiert hat als die Betriebswirtschaft. Die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge waren für mich auf alle Fälle reizvoller, als die betrieblichen Zusammenhänge im einzelnen Unternehmen.

Was reizt Sie an einer Universitätskarriere?
Die Karriere an der Uni hat zwei wesentliche Vorteile. Zum einen kann man intensiven Kontakt zu Studenten pflegen und so zumindest einen Teil seines Wissens weitergeben. Zum anderen hat man die Freiheit, wissenschaftlich zu arbeiten und sich mit den Dingen auseinander zu setzen, die einen wirklich interessieren. Die Arbeit ist also sehr abwechslungsreich und wird eigentlich nie langweilig. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit der Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Karriere nicht unbedingt auf die Uni festgelegt wird. Sollte ich feststellen, dass mir das Zusammenspiel von Forschung und Lehre liegt, kann ich einen weiteren Weg an der Uni einschlagen. Sollte es mir jedoch nicht gefallen, bleibt mir der Weg in die freie Wirtschaft immer noch offen.

Auf welchem Weg Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Das hat sich eigentlich erst im Laufe meines Studiums entwickelt. Vordergründig habe ich mich, vor allem nach meiner Diplomarbeit, für die Forschung und das wissenschaftlichen Arbeiten interessiert. Die Lehre war also nicht das eigentliche Ziel, stellte sich mittlerweile aber als sehr abwechslungsreicher und interessanter Teil meiner Arbeit heraus. Außerdem erschienen mir die Vorteile der Arbeit an der Uni, wie die Möglichkeit einer Doktorarbeit, sehr interessant.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag aus?
Na ja, ganz einfach: rein ins Büro, arbeiten, raus aus dem Büro. Nein, mal ehrlich. Den normalen Arbeitstag gibt es kaum, da ich auch viel unterwegs bin, um Befragungen durchzuführen. Im Büro gestaltet sich mein Tag zumeist so, dass ich vormittags versuche, den kreativen Teil der Arbeit zu erledigen und mir nachmittags eher "Alltagsarbeit" vornehme. Meist sitze ich dann noch abends im Büro und vervollständige alles, was ich sonst nicht schaffe und mich aber trotzdem interessiert.