Sie arbeiten für Greenpeace - was machen Sie da genau?
Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Zum einen bin ich für die politische Ausrichtung der Atom-Arbeit von Greenpeace Deutschland verantwortlich. Das heißt, ich setze in Abstimmung mit der Geschäftsleitung die Schwerpunkte unserer Atom-Arbeit. Ich erarbeite Hintergrundwissen, analysiere Atomkonzerne und versuche Skandale aufzudecken. Zusammen mit unseren weltweit tätigen Atomkampaignern erarbeite ich Strategien und internationale Kampagnen gegen die Nutzung von Atomkraft. Ich führe Gespräche mit Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft, um zunächst auf diesem Wege Umweltzerstörungen zu stoppen bzw. zu verhindern. Darüber hinaus bin ich Ansprechpartner für Journalisten.

Nach einer Lehre als Bankkaufmann haben Sie BWL studiert und waren lange bei der Deutschen Bank. Wie sind Sie ausgerechnet zu Greenpeace gekommen?
Die Arbeit von Greenpeace habe ich schon sehr lange verfolgt und war immer beeindruckt, wie mutig sich die Aktivisten den Umweltzerstörern in den Weg stellen. Vor drei Jahren bin ich dann selber ein Aktivist in der lokalen Gruppe in Frankfurt geworden. Der Weg der politischen Arbeit, den Greenpeace geht: "In der Sache hart, aber ehrlich," ist für mich genau das richtige Maß der Dinge.

Werden Sie von Ihren Mitmenschen als Gutmensch wahrgenommen? Und entspricht dieses Image der Realität?
Die Wahrnehmung meiner Mitmenschen reicht von "verrückt" bis "Idealist". Bei den meisten Menschen überwiegt allerdings die Anerkennung dafür, dass wir unsere Zeit und Kraft für eine bessere und sauberere Welt einsetzen. Bei Greenpeace gibt es alle möglichen Charaktere, so dass ich einer Stilisierung zum Gutmenschen nicht zustimmen würde. Der gemeinsame Nenner ist, dass wir uns gemeinsam für eine gute Sache einsetzen.

Bei Greenpeace denkt man an bärtige Rebellen, die im Schlauchboot den Walfängern trotzen. Sind Sie auch bei Aktionen dabei oder arbeiten Sie aus dem Büro?
Immer wieder bin ich auch vor Ort, wenn Greenpeace Aktivisten an Orte gehen, wo Umweltzerstörung stattfindet. Dadurch bin ich natürlich viel unterwegs. Zum letzen Mal, bei den Demonstrationen gegen den Castor-Transport in Gorleben. Ich bin also kein "Schreibtischtäter" Ein Teil der Arbeit besteht natürlich auch aus Büroarbeit, Konferenzen und Diskussionen mit Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Als das Atomkraftwerk Hanau nach China exportiert werden sollte, haben Sie eine Kampagne gestartet. Wie ist das genau abgelaufen?
Im Zeitraffer lief das so ab, dass wir die Meldung über den geplanten Export erhalten haben und dann direkt die gesamte Arbeitskraft des Atombüros von Greenpeace Deutschland zusammengetrommelt haben, um zu überlegen, wie wir gegen den Export von Atomtechnologie nach China vorgehen können. Wir haben dann zunächst Juristen den geplanten Export beleuchten lassen und mit Wissenschaftlern untersucht, wozu diese Anlage im Detail benutzt werden kann. Als dann ziemlich schnell klar war, dass neben der zivilen Nutzung – die wir auch ablehnen – eine militärische Nutzung nicht auszuschließen ist, sind wir mit den Ergebnissen an den Bundestag, die Presse und die Öffentlichkeit herangetreten. Dies wurde von Aktivisten mit Aktionen begleitet, so dass wir letztendlich Recht bekommen haben und den Export verhindern konnten. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, dass wir ständig wach sein müssen und sehr schnell reagieren müssen. Dies zeichnet Greenpeace auch aus.