Die Zeit vom Tod Friedrichs II. und von der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms II. bis zum Wiener Kongress - 1786 bis 1815 - nennt sich Berliner Klassik. Eine Epoche, in der sich Berlin zu einer Metropole mit mehr als 170.000 Einwohnern entwickelte. Deren moderne ständeübergreifende Gesellschaft schuf zu dieser Zeit künstlerische, wissenschaftliche, administrative und gewerbliche Leistungen auf hohem Niveau. Die Modernität der Metropole Berlin wirkte auf ganz Preußen.

Die Zeit war geprägt durch gesellige Kommunikation. Salons, Lese- und Tischgesellschaften, Clubs und Freimaurerlogen, seriöse und unseriöse Etablissements förderten den Kulturaustausch zwischen Vertretern verschiedener sozialer Schichten und Religionen. Die Anzahl der geselligen Vereinigungen ging in die Hunderte. Das Leben Berlins ist in den zahlreichen in der Stadt verlegten Zeitschriften, in Briefen und Autobiographien von den Einheimischen wie auch von Reisenden beobachtet und kommentiert worden.

Eine digitale Rekonstruktion dieser modernen Großstadtkultur um 1800 findet sich heute im Projekt Berliner Klassik. Sie beleuchtet die Vernetzung der Berliner Gesellschaft und die Voraussetzungen der urbanen Kommunikation jener Zeit. Das Projekt setzt sich im Einzelnen zusammen aus vier historischen Datensammlungen und einem virtuellen Stadtplan.

Die Personendatenbank erfasst Biografien von zur Zeit 500 Personen des Berliner Lebens. Eine Literaturdatenbank hat Werke der Protagonisten dieser Epoche erfasst und um Sekundärliteratur ergänzt. In der Theaterdatenbank finden sich die Aufführungen des Königlichen Nationaltheaters, man kann für die bearbeiteten Zeiträume erfahren, welche Stücke, Autoren, Übersetzer, Bearbeiter und Komponisten wann und wie oft aufgeführt wurden. Eine digitale Sammlung zum Thema "Geselligkeit" erfasst alle Vereine und Gesellschaften der Zeit von 1786-1815. Eingetragen sind deren Namen, ihr Sitz, Geschichte und Programmatik, Struktur und Organisation, Statuten, Mitglieder und Quellen in Form von Forschungsliteratur, Archivalien, Abbildungen und Äußerungen von Zeitgenossen.

Einen virtuelle Sicht auf die Stadt liefert abschließend der digitale Stadtplan Berlins von 1810. In ihm sind Informationen zu den Bauten und Einrichtungen der Stadt gespeichert. Über den Plan wird ein Stadtrundgang durch das historische Berlin möglich.