Die wissenschaftliche Medizin hat ihre Wurzeln im antiken Griechenland. Hippokrates gilt als ihr Begründer. Ein großer Bewunderer des Hippokrates und Erneuerer der hippokratischen Medizin ist der bedeutende griechische Arzt Galen von Pergamon, der im zweiten Jahrhundert nach Christus in Rom u. a. als medizinischer Ratgeber Kaiser Marc Aurels wirkte. Ihre Werke sind Klassiker der medizinischen Literatur und können immer noch als Therapieanweisung gelesen werden. Die Gedanken der antiken Ärzte über die ethischen Aspekte ihres Tuns und ihre persönliche Verantwortung haben ebenfalls an Aktualität nichts eingebüßt und beschränken sich keineswegs nur auf den hippokratischen Eid; sie können die modernen Debatten über Fragen der Medizinethik bereichern.

Das Vorhaben Corpus Medicorum Graecorum/Latinorum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften will sämtliche erhaltenen medizinischen Texte aus der griechisch-römischen Antike in historisch-kritischen Editionen vorlegen. Der edierte Text soll die Originalfassung, wie sie der antike Autor geschrieben hat, möglichst wiederherstellen. Oft sind nur einige wenige Textzeugen erhalten geblieben, die in der Regel aus dem byzantinischen Mittelalter stammen, also um viele Jahrhunderte jünger als das Original sind.

Bisher sind 71 Bände erschienen, im Rahmen der Initiative "Projekt des Monats" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften präsentiert das CMG die digitale Teiledition einer in Arbeit befindlichen CMG-Ausgabe. Die ersten Abschnitte von Galens Kommentar zu der hippokratischen Schrift "Über die Gelenke" werden als online-Edition mit kritischem Apparat und Übersetzung zugänglich gemacht. Das Gesamtwerk wird in der Druckfassung frühestenes 2010 erscheinen. Es ist geplant, weitere Abschnitte vorab in digitaler Form zu präsentieren.

Mit der online-Teiledition erscheinen erstmalig die wichtigsten Textzeugen, zwei byzantinische Handschriften aus dem 10. und dem 12. Jahrhundert, im Netz. Neu ist auch die Verknüpfung des Textes mit einem Frühdruck, der Erstausgabe von 1525 bei Aldus Manutius in Venedig. Vernetzt sind außerdem Illustrationen aus Handschriften und frühen Drucken.

Zudem werden erstmals die Übersetzungen zweier in den vergangenen Jahren erschienener CMG-Ausgaben ins Netz gestellt: die englische Übersetzung der hippokratischen Schrift "Über Kopfverletzungen" und die deutsche Übersetzung von Galens embryologischem Traktat "Über die Ausformung der Keimlinge". In Zukunft sollen sukzessive weitere früher publizierte CMG-Editionen in digitaler Form zugänglich gemacht werden.