Für die Reise im Kopf ebenso tauglich wie als inspirierende Lektüre für Ausflüge zwischen Ägypten und Zürich ist der bibliophile Band "In 80 Gedichten um die Welt". Conrad Ferdinand Meyer gondelt auf dem Canal Grande, und Peter Rühmkorf sieht bei der Raststätte Ostetal im Niedersächsischen die "Dohlen, federführend, / schon den letzten Schlußstrich ziehn". Das Spektrum reicht von der Antike bis in die Moderne, von der Schwärmerei bis zum Abgesang auf eine Stadt, die schon zu Rudyard Kiplings Zeit Kriegsschauplatz war: "Kabul wird zur Hölle gehn". Sechzig umtriebige Dichter zeigen, wie man mit offenem Auge und gespitzter Feder zum Ziel kommt. Diese Anthologie heiter-nachdenklicher Ausblicke schürt die Aufbruchstimmung. Und landet mit Gottfried Benn schließlich wieder bei der Sehnsucht nach der Selbstumrundung: "Ach, vergeblich das Fahren! / Spät erfahren Sie sich: / bleiben und stille bewahren / das sich umgrenzende Ich."
CS Wolf Durant (Hrsg.): "In 80 Gedichten um die Welt"
Manesse Verlag, Zürich 2003; 96 S., 9,90 Euro