Die große Politik geht in die Ferien. An diesem Freitag tagte der Bundestag das letzte Mal vor der parlamentarischen Sommerpause. Ein letztes Mal debattieren die Abgeordneten über Themen wie Kapitalbeteiligungen und das Wohngeld. Noch einmal streiten die Parteien über Pendlerpauschale und Erbschaftssteuer. Dann haben die Abgeordneten elf Wochen Ruhe, zumindest von Berlin.

Für die meisten Bundespolitiker ist dies die letzte Gelegenheit durchzuatmen, Kraft zu tanken. Denn anschließend folgen zwölf Monate Dauerwahlkampf. Ein politisches Superjahr beginnt. Gleich im September geht es mit der Landtagswahl in Bayern los, ein Jahr später findet dann entweder am 20. oder am 27. September 2009 die nächste Bundestagswahl statt. Bis dahin gibt es noch fünf Landtagswahlen und sieben Kommunalwahlen, die Bundespräsidentenwahl und die Europawahl. Dauerwahlkampf bedeutet aber in Wahrheit politischen Stillstand.

Einiges spricht dafür, dass sich trotz allen politischen Lärms, der nach der Sommerpause verstärkt einsetzen wird, politische wenig ändert: dass die CSU die Macht in Bayern – eventuell mit Hilfe der FDP – verteidigt, Horst Köhler Bundespräsident bleibt – und die Große Koalition nach der Bundestagswahl noch vier Jahre weitermachen muss.

Allerdings könnte die Republik nach dem Superwahljahr auch ganz anders aussehen: bunt in Bayern, rot-rot in Thüringen und Saarland, schwarz-gelb-grün im Bund. Vorgezogene Neuwahlen in Hessen sind ebenfalls nicht ausgeschlossen, sogar wahrscheinlich. Die SPD könnte einen neuen Vorsitzenden bekommen und ins Schloss Bellevue eine Frau einziehen.

Spannend wird es in jedem Fall. Noch vor ein paar Jahren etwa hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass die CSU in Bayern einmal um ihre absolute Mehrheit bangen muss. Doch nach der Ära Stoiber kriselt es in der Partei. Das neue Führungsduo mit Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Bayern ist nicht richtig in Tritt gekommen. Deshalb gehen sie nun auf Abstand zur Großen Koalition in Berlin, an der sie beteiligt sind, um sich im Landtagswahlkampf zu profilieren. Das aber führt, etwa bei der Pendlerpauschale, zum Disput mit Angela Merkel, verstärkt die Probleme in der Union – und ist bislang nicht von Erfolg gekrönt.

Noch bleibt die Kanzlerin standhaft, noch lässt sie sich von ihren Unionsfreunden in Bayern nicht zu einem politischen Kurswechsel bewegen. Aber der Druck wächst und das eine oder andere Wahlgeschenk wird sie noch nach Bayern schicken müssen.

Schließlich findet am 28. September in Bayern so etwas eine kleine Bundestagswahl statt. Alle Themen, die ein Jahr später bundesweit das Wahlvolk mobilisieren sollen, werden dort schon mal ausprobiert. Selbst der Bundespräsidenten-Wahlkampf zwischen Amtsinhaber Horst Köhler und der SPD-Herausforderin Gesine Schwan wird in Bayern vorentschieden. Denn dort werden die letzten, wahlentscheidenden 92 Plätze in der Bundesversammlung vergeben.