Die wichtigsten Jahreszahlen in der finnischen Geschichte sind 1809 und 1917. Denn 1809 wurde Finnland, das über 600 Jahre lang zum schwedischen Königreich gehört hatte, zu einer „Nation unter Nationen“ erhoben. Trotz der Zugehörigkeit zu Russland erhielt es den Status eines autonomen Großfürstentums unter dem russischen Zar Alexander I. Am 6. Dezember 1917 erklärte das Parlament Finnland zu einer unabhängigen Demokratie.
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Die schwedische Herrschaft
Bis Ende des 12. Jahrhunderts war das Gebiet des heutiges Finnlands noch politisches Vakuum, um das sich seine Nachbarländer Schweden und Russland rissen. Seit dem Frieden von 1323 wurde Finnland an Schweden angeschlossen, lediglich der östliche Teil Finnlands (Karelien) fiel an Russland. Durch die schwedische Herrschaft nahm Finnland die schwedische Gesellschafts- und Rechtsordnung an. Ab dem Jahr 1323 durften die Finnen, deren Hauptstadt Turku war, einen Vertreter zur Wahl des schwedischen Königs schicken. Während dieser Großmachtperiode (1617-1721) dehnte sich Schweden auf den ganzen Ostseeraum aus. Dank des schwachen Zarenreiches konnte es zudem die finnischen Grenzen weiter nach Osten verschieben.

Das russische Großfürstentum
Zwischen den Jahren 1809 und 1917 wurde Finnland von Russland beherrscht. Denn Anfang des 19. Jahrhunderts brach das Reich Schwedens zusammen, als Russland im schwedisch-russischen Krieg (1808-1809) Finnland eroberte. So erlangte Finnland den Status als autonomes Großfürstentum unter dem russischen Zar Alexander I., der jedoch in Finnland von einem Generalgouverneur vertreten wurde. 1812 wurde Helsinki zur Hauptstadt des Fürstentums ernannt. Außerdem erwachte während der russischen Herrschaft die finnisch-nationale Bewegung und Elias Lönnrots Nationalepos Kalevala erschien im Jahr 1835.

Das Sprachdekret Alexander II. machte der finnischen Sprache den Weg zur offiziellen Verwaltungssprache frei. Denn obwohl nur ein Siebtel der finnischen Bevölkerung Schwedisch als Muttersprache sprachen, war die Dominanz des Schwedischen bis Anfang des 20. Jahrhunderts spürbar. Das finnische Großfürstentum gehörte zwar weiter zum Kaiserreich, doch genoss es zahlreiche Sonderrechte. Der Status des Staates im Staate, der eigene Beamtenapparat, das eigene Gerichtswesen, die eigene Armee, die eigene Währung (Markka) sowie eigene Briefmarken sorgten für einen finnischen Separatismus, den die Russen in der Gewalt haben wollten. Es folgten zwei Unterdrückungsperioden in den Jahren 1899 bis 1905 und von 1909 bis 1917.

Die unabhängige Republik
Als am 6. Dezember 1917 die Unabhängigkeitserklärung vom Reichstag verabschiedet wurde, existierte eine unüberbrückbare Kluft zwischen politischer Rechter und Linker. Die Linke putschte Anfang 1918 gegen die Regierung und löste damit einen Bürgerkrieg aus. Die Regierungstruppen unter General Gustaf Mannerheim siegten und im Sommer 1919 wurde aus Finnland eine Republik. Kaarlo Juho Ståhlberg wurde zum ersten Staatspräsidenten ernannt. © Finnish Tourist Board

Finnland hielt sich an die so genannte Randstaatenpolitik und arbeitete eng mit Litauen, Estland, Lettland und Polen zusammen. 1935 entschied das Parlament über die nordische Ausrichtung Finnlands. Als der Zweite Weltkrieg 1939 ausbrach, schlossen Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt, der in einem geheimen Zusatzprotokoll auch Finnland einschloss. Doch Finnland weigerte sich, der Sowjetunion Stützpunkte auf seinem Territorium zu überlassen und löste damit den Winterkrieg (1939-1940) aus. Die Finnen verfügten über bessere Winterausrüstung und trumpften mit ihrem Einfallsreichtum auf. So erfand die Armee den so genannten Molotowcocktail, der in Anlehnung an den sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow benannt wurde. Doch mit ihrer größeren Truppenstärke erkämpfte sich die Sowjetunion Südostfinnland. Nach dem Pariser Friedensvertrag 1947 wollte Finnland das gegenseitige Vertrauen zur Sowjetunion wieder herstellen und schloss einen Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Beistand.

Finnlands Rolle wurde international gefestigt. So trug das Land die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki aus, wurde 1955 Mitglied in der UNO und im Nordischen Rat. Der Spielraum der finnischen Außenpolitik wurde massiv vergrößert, als Anfang der 80er und 90er Jahre das kommunistische System zusammenbrach und die Spaltung Europas beendet wurde. Finnland wurde Vollmitglied der Europäischen Freihandelsorganisation (Efta) und 1989 auch Mitglied des Europarates. Im Jahr 1992 erkannte Finnland Russland als Nachfolger der Sowjetunion an und schloss mit ihm einen neuen Vertrag über gute nachbarschaftliche Beziehungen.
Finnland trat 1994 in die Europäische Gemeinschaft ein und 1995 in die EU. Das wirkte sich positiv auf die bis dahin tiefe Wirtschaftskrise im Land aus. Denn die staatlichen Schulden wuchsen, der Außenwert der Finnmark wurde abgewertet und die Arbeitslosigkeit stieg. Mit der Unionsmitgliedmitgliedschaft erholte sich die Wirtschaft durch zunehmenden Export, die aufblühende Elektronikindustrie und die Privatisierung der meisten Staatsunternehmen. Heute ist Finnland eines der wohlhabenden Länder in der EU mit einer führenden Elektronik- und Mobilfunkindustrie und ein beliebtes Reiseziel für Touristen.