Frankfurt/Main (SID) - Eine Umarmung von Steffi Jones, ein kurzer Small Talk mit dem Bundespräsidenten - und dann raus mit Applaus: Für Bibiana Steinhaus und ihr Team waren nach dem Finale der Frauenfußball-WM eigentlich Nebenrollen vorgesehen, doch die Zuschauer im ausverkauften Frankfurter WM-Stadion ließen die Schiedsrichterin bei der Siegerehrung nicht zur Statistin verkommen. Noch bevor die Japanerinnen für ihren Triumph im Elfmeterschießen gegen die USA mit viel Brimborium gefeiert wurden, genoss die Polizeibeamtin aus Hannover den Beifall.

"Mein absoluter Gänsehaut-Moment war die Übergabe der Medaillen auf der Bühne, als uns die tollen und fairen Fans im Frankfurter Stadion applaudiert haben. Ich bin gerade noch dabei, dieses einmalige Ereignis zu verarbeiten", sagte Steinhaus am Tag nach dem Endspiel dfb.de: "Mit der Endspielnominierung ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Es war eine große Ehre, als deutsche Schiedsrichterin das Finale dieser fantastischen WM leiten zu dürfen."

Nach ihrer souveränen, wenn auch nicht ganz fehlerfreien Vorstellung strahlte Steinhaus mit ihren insgeamt vier Assistentinnen auf dem Podium um die Wette. Kurz vor dem Anpfiff war das noch völlig anders gewesen. Bei Steinhaus war nur ein konzentrierter Tunnelblick zu erkennen - und auch während des Endspiels hatte die große Blonde mit den schwarzen Stutzen ihre Augen nicht überall. Steinhaus lag bei einer wichtigen Abseitsentscheidung falsch. Dennoch vertrat die 32-Jährige würdig die deutschen Farben anstelle der eigentlich im Finale erwarteten Titelverteidigerinnen.