Genua (SID) - Verängstigte Spieler in der gegnerischen Kabine, Leuchtkugeln im Mannschaftsbus, Jagdszenen auf den Straßen und im Stadion, hasserfüllte Hooligans, arg- und scheinbar auch machtlose Polizisten: Die Eskalation der Gewalt im internationalen Fußball hat beim schon nach sieben abgebrochenen EM-Qualifikationsspiel zwischen Italien und Serbien in Genua durch ganz offenkundig organisierte Krawalle von Balkan-Hooligans neue Dimensionen erreicht.

"Die Drahtzieher sitzen in Belgrad. Das ist ein Angriff auf unseren Staat", erklärte der aufgebrachte serbische Verbandspräsident Tomislav Karadzic. Auch Serbiens Sportministerin Snezana Samardzic-Markovic geißelte nach dem zweiten Spielabbruch in der über 50-jährigen EM-Historie wegen Gewaltexzessen die beispiellosen Ausschreitungen: "Diese Vandalen haben große Schande über Serbien gebracht und dem mühselig wieder aufgebauten Ansehen unseres Landes einen schweren Schlag versetzt."

16 Verletzte und 17 Verhaftungen

Offenbar herrschte rund um das Stadion große Gefahr. "Es hätte zu einer Tragödie wie in Heysel kommen können", sagte ein Polizeisprecher mit Blick auf die 39 Toten beim Europapokalfinale 1985 zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool in Brüssel.

Am Mittwoch bilanzierten die Behörden in der italienischen Hafenstadt 16 Verletzte und 17 Verhaftungen, dazu wurden 35 Anzeigen gegen serbische Rowdies aufgesetzt und eine Person im Schnellverfahren zu einer Haftstrafe von einem Jahr abgeurteilt. Italiens Außenminister Franco Frattini forderte eine harte Bestrafung aller Gewalttäter, die Europäische Fußball-Union (UEFA) leitete eine Eiluntersuchung der "ernsten" Vorgänge ein.

Die Polizei in Rom gab am Mittwoch zu, dass es zu Kommunikationsproblemen zwischen italienischen und serbischen Behörden gekommen sei. Dies betonte der für die Sicherheit von Sportveranstaltungen zuständige Funktionär des italienischen Innenministeriums Roberto Masucci. Er bestritt jedoch, dass das Innenministerium ein Fax aus Belgrad mit Informationen über Gruppen von Hooligans erhalten habe, die das Match stören wollten.

Attacken gegen eigene Mannschaft