Salzburg (SID) - Er kam zehn Minuten zu spät und wirkte noch etwas übermüdet, aber das Strahlen in seinem jungenhaften Gesicht hatte auch nach zwei Tagen und anderthalb schlaflosen Nächten kein bisschen nachgelassen. "Ich hatte immer noch nicht die Zeit, um in Ruhe über alles nachzudenken, deshalb kann ich es auch noch nicht so richtig begreifen", sagte Sebastian Vettel: "Es war Stress pur, seit ich am Sonntag über die Ziellinie gefahren bin."

Bei der offiziellen Pressekonferenz des Red-Bull-Teams, das am Dienstag im Hangar 7 des Salzburger Flughafens auch noch den 37. Geburtstag von Teamchef Christian Horner zu feiern hatte, wirkte Deutschlands junger Formel-1-Weltmeister gelassen und entspannt: "Es hat mir gut getan, ein bisschen zu schlafen und das alles einsacken zu lassen. Langsam begreift man es dann vielleicht auch mal."

Freitag und Samstag wieder Tests in Abu Dhabi

Und obwohl der junge Mann aus dem hessischen Heppenheim die Vergangenheit längst nicht verarbeitet hat, ist Sebastian Vettel schon wieder hundertprozentig auf die Zukunft ausgerichtet. Am Freitag und Samstag stehen in Abu Dhabi Reifentests auf dem Programm, schließlich geht das Geschäft mit Vollgas weiter. "Wir haben eine klare Aufgabe vor uns, und die steht absolut im Vordergrund", sagte der junge Champion mit der Bestimmtheit eines alten Hasen. Die Voraussetzung dafür sei, "dass man ausgeschlafen ist, und dafür werde ich in den nächsten Tagen sorgen".

Vettel und Red Bull wollen da weitermachen, wo sie am Sonntag in jenem märchenhaften Rennen vor der Kulisse von tausendundeiner Nacht aufgehört haben - der erste WM-Titel soll schließlich nicht der letzte gewesen sein. "Ich hoffe, da kommt noch was", sagte Vettel: "Das Rad hört nicht auf, sich zu drehen. Ich habe jetzt eine Herausforderung vor mir, ich will diesen Titel im nächsten Jahr verteidigen." Mit der Startnummer "1" des Weltmeisters auf seinem Auto - und bei dem Gedanken wich alle Routine wieder diesem ungläubigen Staunen: "Ich hoffe, dass ich bald Zeit für mich habe und einfach abschalten kann, um in Ruhe darüber nachzudenken, was passiert ist."

"Wie ein kleines Mädchen"

Und nicht zuletzt deshalb freut sich der "Boy Champion", der "Campione Bambino", "Österreichs schnellster Piefke" so sehr auf die Testtage in Abu Dhabi: "Die Zeit in meinem Auto ist für mich aktive Erholung. Da muss ich keine Fragen beantworten." Höchstens die von seinem Renningenieur Guillaume Rocquelin, der ihm kurz nach der Zieldurchfahrt am Sonntag die entscheidende Botschaft ins Auto gefunkt hatte: "Weltmeister - Sebastian Vettel, you are the world champion." Danach hatte Vettel sich mit tränenerstickter piepsiger Stimme bei seinem Team bedankt: "Ich habe mich angehört wie ein kleines Mädchen. Zum Glück hatte ich einen Helm auf dem Kopf."