Bochum (SID) - Die geständigen Angeklagten lieferten weitere Informationen und wurden belohnt: Im Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball kommen zwei der vier Beschuldigten gegen Kaution frei. Nürretin G. und Tuna A., die ihre Beteiligung an den Spielmanipulationen zumindest teilweise zugegeben haben, dürfen nach fast 13 Monaten in Untersuchungshaft gegen eine Sicherheitsleistung von jeweils 20.000 Euro auf freien Fuß. Die 13. Strafkammer am Bochumer Landgericht kündigte am Montag an, die Haftbefehle außer Vollzug zu setzen.

Die Staatsanwaltschaft in Neapel ist unterdessen bei Ermittlungen gegen die italienische Wettmafia wohl auf eine Begegnung aus der Bundesliga gestoßen. Nach einem Bericht der italienischen Sportzeitung Gazzetta dello Sport taucht in den Akten der Staatsanwaltschaft die Begegnung zwischen dem VfL Bochum und Energie Cottbus (3:2) vom 28. Februar 2009 auf. Ein wegen Wettbetrugs festgenommener Spieler aus Italien habe in einem abgehörten Telefonat damit geprahlt, dass er das Endergebnis des Spiel "eine halbe Stunde vorher schon gewusst habe".

Energie-Präsident Lepsch: "Ungeheuerlicher Vorwurf"

Laut Ermittlungsakten hätten die Wettbetrüger durch Live-Wetten bei dieser Begegnung nach Angaben des festgenommenen Spielers "in 20 Minuten 1,2 Millionen Euro gewonnen". Der Bochumer Siegtreffer fiel in der 79. Minute durch einen Foulelfmeter, Cottbus stieg am Ende der Saison ab. Energie-Präsident Ulrich Lepsch sprach gegenüber der Lausitzer Rundschau von einem "ungeheuerlichen Vorwurf". Der Verein wolle sich aber nicht an Spekulationen beteiligen, sondern die Ermittlungen abwarten.

Die Strafkammer in Bochum entschied hingegen, dass die Mitangeklagten Stevan R. und Kristian S., die bislang jegliche Aussage verweigern, weiter hinter Gittern bleiben. Zuvor hatten die beiden Hauptbeschuldigten, die zum Führungskreis der Wettmafia gezählt werden, am achten Verhandlungstag offenbart, dass es nicht nur um unglaubliche Beträge, sondern auch um massiven Druck ging.

Nach den Planungen der Wettmafia sollte der Torhüter des Regionalligisten SC Verl spielunfähig gemacht werden, weil er sich nicht an Manipulationen beteiligen wollte. Eine "Ohrfeige in der Disco" wurde ebenso in Erwägung gezogen wie "irgendetwas im Getränk, damit er nicht spielen kann", berichtete der Angeklagte Tuna A..

"Der sollte ihm in der Disco einen geben"