München (SID) - Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann traut der deutschen Nationalmannschaft trotz des Ausfalls seines ehemaligen "Capitano" Michael Ballack bei der WM in Südafrika einiges zu. "Die Verletzung von Michael ist natürlich gravierend. Er war über Jahre der Leader schlechthin. Es wird schwer dieses Vakuum auszufüllen. Aber wir werden trotzdem eine gute Rolle spielen. Deutschland gehört wie immer zu den Favoriten. Wir haben eine schlagkräftige Truppe, die sich vor niemandem verstecken muss", sagte der 45-Jährige, der die WM als Experte für den TV-Sender RTL verfolgen wird.

Klinsmann nimmt durch das Aus von Ballack nun den neuen Kapitän Philipp Lahm und dessen Münchner Vereinskollegen Bastian Schweinsteiger sowie Per Mertesacker und Lukas Podolski noch mehr in die Verantwortung. Es sei ein Schritt "Verantwortungsübergabe an die nächste Generation", meinte er.

Lahm und Co. hätten "jetzt die Möglichkeit, noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Sie müssen jetzt die nächste Stufe nehmen. das Potenzial haben sie", sagte der ehemalige Coach von Bayern München und fügte an: "Für die Jungs ist es schon das dritte Turnier. Sie haben alle über 50 Länderspiele."

"Es fehlt ein Schlag Erfahrung"

Seit dem "Sommermärchen" 2006 sei die "Generation mit Podolski, Lahm, Schweinsteiger und Mertesacker gewachsen". Dennoch könnte es schon ein Problem werden, "ohne den Leader in so ein Turnier zu gehen. Es fehlt eben ein Schlag Erfahrung." Klinsmann hält den etatmäßigen Kapitän Ballack (33) deshalb für die DFB-Auswahl auch in Zukunft für unverzichtbar: "Ich gehe davon aus, dass Michael nach der WM wieder zurückkommt und bis zur EM 2012 weitermacht."

Zu Bundestrainer Joachim Löw hat Klinsmann nach wie vor regelmäßig Kontakt. Während der WM werde er aber eine "gewisse Distanz" wahren. Als Experte will er sich auch zurückhalten. "Es geht nicht darum, Polemik reinzubringen oder jemanden zu kritisieren", sagte der Wahl-Amerikaner. Er wolle vielmehr "aufzeigen, warum auf dem Platz gewisse Dinge passieren und das Spiel an sich lesen".

Einen Rat hat Klinsmann nach den Erfahrungen von 2006 aber zumindest für die Spieler: "Die WM findet nur alle vier Jahre statt. Da kann man es sich nicht leisten, diesen Moment zu verpassen. Allen muss klar sein: Ihr müsst diesen Moment ergreifen." Dabei sei der Teamgedanke von besonderer Bedeutung: "Kleine Egospielchen sind da nicht angebracht." Zumal die Erwartungen in Deutschland "immer die höchsten sind. Schon ein Aus im Viertelfinale wird als Enttäuschung gewertet".