Pretoria (SID) - Deutschland gegen England 1966: Uwe Seeler trottet mit hängendem Kopf in die Kabine. Deutschland gegen England 1970: Uwe Seeler erzielt einen Treffer - mit dem Hinterkopf. Spiele gegen England, sagt Uwe Seeler, "sind immer etwas Besonderes". Zwei dieser Spiele hat er entscheidend mitgeprägt. Das Spiel bei der WM 1966 war das Finale in Wembley mit dem gleichnamigen Tor, das keines war. Deutschland verlor 2:4 n.V. Das Spiel bei der WM 1970 war das Viertelfinale, Seeler köpfte das 2:2. Deutschland gewann 3:2 n.V.

Zwei Szenen mit Uwe Seeler, die unvergessen sind, zwei Spiele, die ihn geprägt haben. Vor allem das erste. "Ich werde immer wieder auf das Wembley-Tor angesprochen, aber das Thema ist längst für mich abgeschlossen. Der Schiedsrichter hat Tor gegeben, obwohl er vorher auf Eckball entschieden hat", berichtet Seeler, und nur, damit eines klar ist: "Heute weiß jeder, dass es kein Tor gewesen ist." Dass er 44 Jahre danach noch immer darauf angesprochen wird, stört ihn nicht weiter. "Das sind Emotionen, das ist Fußball", sagte er DFB.de.

Fußball, Emotionen und England

Nun also wieder: Fußball, Emotionen - und der Gegner England. Dem Achtelfinale am Sonntag in Bloemfontein (16.00 Uhr/ARD und Sky live) sieht der 73 Jahre alte Seeler äußerst optimistisch entgegen. "Die Engländer", sagte der 72-malige Nationalspieler, "haben sich bislang alles andere als überragend präsentiert. Das kann an der unwahrscheinlich langen Saison liegen, die viele Spieler von der Insel in den Beinen haben. Sie machten auf mich bislang einen sehr ausgepowerten Eindruck."

Und Seeler traut der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw sogar noch mehr zu als den Sieg gegen England. "Ich bin Deutscher und deshalb bleibe ich dabei, dass Deutschland Weltmeister wird - auch wenn sich Argentinien und Brasilien bislang vielleicht besser präsentiert haben", sagt der Ehrenspielführer. Dies alles will sich Seeler zu Hause in Hamburg ansehen. Seeler gehörte bislang zu der deutschen WM-Delegation in Südafrika, reiste aber aus privaten Gründen früher nach Hause.

Seeler: "Jetzt geht die WM ja erst richtig los"

Die deutsche Mannschaft sieht Seeler trotz der ein wenig holprigen Vorrunde auf dem richtigen Weg. "Sie hat sich durch diese nicht einfache Situation gebissen, und vielleicht hat dieser hart umkämpfte Sieg gegen Ghana nun endgültig den Knoten gelöst. Jetzt geht die WM ja erst richtig los. Ich denke, dass unsere Mannschaft jetzt befreiter aufspielen kann und wird. Sie braucht keinen Gegner zu fürchten", sagt das HSV-Idol, das aber auch warnt: "Die Engländer werden gegen uns neue Kräfte mobilisieren."