Johannesburg (SID) - Das "Tor von Bloemfontein" hat im internationalen Fußball erneut eine Diskussion um die Einführung von zeitgemäßen Technologien entfacht: Der dreimalige Weltschiedsrichter Markus Merk forderte nach dem folgenschweren Fehler von WM-Referee Jorge Larrionda beim Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen England (4:1) am Sonntag die Einführung des "elektronischen Auges".

"Wir leben im 21. Jahrhundert und verzichten auf jegliche Technik. Das hilft den Schiedsrichtern nicht und ist auch der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln. Der Fußball verliert deshalb bei den Fans an Glaubwürdigkeit. Entscheidungen wie das 'Tor von Bloemfontein' beim Spiel Deutschland gegen England sind schlecht für den Fußball", sagte der ehemalige FIFA-Referee Merk dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Schiris die größten WM-Pfeifen

Die Schiedsrichter und deren Assistenten sind bei der WM in Südafrika weiter die größten Pfeifen. Bei den beiden WM-Achtelfinals zwischen Deutschland und England (4:1) sowie Argentinien und Mexiko (3:1) nahmen die Unparteiischen erneut massiven Einfluss auf den Spielverlauf. Zunächst hatte der Uruguayer Larrionda das klare Tor von England-Ass Frank Lampard zum 2:2-Ausgleich (38.) nicht gegeben. "Oh my God!", sagte Larrionda, als er nach Spielschluss am Bildschirm die Szene nochmals gesehen hatte.

Wenige Stunden später erkannte ausgerechnet der Italiener Roberto Rosetti - immerhin Schiedsrichter des EM-Finals vor zwei Jahren zwischen Deutschland und Spanien - bei der Partie zwischen Argentinien und Mexiko das 1:0 durch Carlos Tevez an, obwohl der Stürmer eindeutig im Abseits gestanden hatte. Während Millionen an den TV-Geräten und Tausende im Stadion das Abseits von Tevez klar erkannten, sahen Rosetti und seine Assistenten nichts. Die Mexikaner protestierten vergeblich.

"Ich habe viel Kritik einstecken müssen, aber ich plädiere schon seit Jahren für die 3x2-Regel. Dabei haben die beiden Teams und der Schiedsrichter zweimal pro Spiel die Chance auf ein Vetorecht, nachdem sie sich die Szene noch einmal angeschaut haben. Es geht um die 'Big Points', die zu 100 Prozent klaren Entscheidungen, die man mit Hilfe des elektronischen Auges auflösen könnte. Ich glaube, das wäre ein Fortschritt", sagte Merk.

FIFA will keine technischen Hilfsmittel