Pretoria (SID) - Deutschland ist zwar der ungekrönte König in Elfmeterschießen, aber an das Nervenspiel vom Punkt im WM-Viertelfinale will Joachim Löw lieber nicht denken. "Vor vier Jahren hatten wir gegen Argentinien einen Zettel, diesmal brauchen wir einen Katalog", sagte der Bundestrainer drei Tage vor dem Duell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die südamerikanischen Ballkünstler am Samstag in Kapstadt (16.00 Uhr/ZDF und Sky live).

Löw erinnerte damit genau vier Jahre nach dem historischen Shootout gegen die Gauchos bei der Heim-WM in Berlin an den Trick von Jens Lehmann, der dank der Tipps von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke auf seinem im Stutzen deponierten Papierschnipsel die Elfmeter von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso abwehrte. "Diesmal haben die Argentinier so viele sichere Schützen in ihren Reihen, dass wir mit einem Zettel nicht auskommen", mutmaßte Löw mit Blick auf ein weiteres mögliches Elfmeter-Spektakel, in dem Torwart Manuel Neuer zum Helden werden könnte. "Ich vertraue auf die Ratschläge von Andreas Köpke", sagte der Schalker kurz und knapp.

Der Bundestrainer stellte aber klar, dass er ohnehin lieber auf diese Nervenprobe verzichten würde. "Als Trainer will man immer, dass das Spiel in der regulären Spielzeit, spätestens aber in der Verlängerung entschieden wird." Sollte es dann aber doch anders kommen, sieht der 50-Jährige seine Spieler psychisch aber für eine solche Entscheidung gut gerüstet.

Podolski fühlt sich trotz Fehlschuss sicher

"Wir haben genug Spieler, die sicher vom Punkt treffen", sagte Löw, der in Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski aber nur zwei Spieler nannte, die im Falle des Falles vom Elfmeterpunkt antreten werden. "Lukas hat gegen Serbien zwar einen Elfmeter verschossen, er fühlt sich aber nach wie vor sicher. Sollten wir schon in der regulären Spielzeit gegen Argentinien einen Elfmeter erhalten, würde Bastian antreten", berichtete der Bundestrainer. Podolski war auch schon 2006 gegen die Gauchos erfolgreich, ansonsten steht von den damaligen Schützen (Neuville, Ballack, Borowski) keiner mehr im aktuellen WM-Kader.

Bereits vor dem Achtelfinale gegen England (4:1) hatte Löw im Training Elfmeter üben lassen. "Jeder hat zwei geschossen", sagte der Bundestrainer, der das Ergebnis am Mittwoch aber verschwieg. Ohnehin habe die Quote aus dem Training nicht viel Aussagekraft. "Die Belastung in einer Extremsituation ist völlig anders. Da gibt es einen ganz anderen Druck in einem vollbesetzen Hexenkessel. Deshalb kann man ein Elfmeterschießen nicht simulieren", erklärte der Bundestrainer.

Zudem müsse man auch beachten, wie sich die einzelnen Spieler fühlen, wenn sie möglicherweise schon 120 Minuten in den Beinen haben. Diese Unwägbarkeiten müsse man auch als Trainer immer berücksichtigen und dann denjenigen Spielern vertrauen, die signalisieren, dass sie einen Elfmeter schießen wollen.