Gap (SID) - Während in seiner Heimat die Doping-Ermittlungen gegen das frühere US-Postal-Team weiter voranschreiten, hat Lance Armstrong nach den Attacken der vergangenen Tage erstmals moderate Töne angeschlagen. Der Texaner betonte, dass er nie am früheren Ausnahme-Rennstall beteiligt gewesen sei. Bei einer "glaubwürdigen und fairen Untersuchung" wäre er auch zu einer Zusammenarbeit bereit. "Ich werde mich aber nicht an einer Hexenjagd beteiligen", sagte der 38-Jährige. Zuletzt hatte sein Anwalt die Vorwürfe als Müll bezeichnet.

Unterdessen schreiten die Ermittlungen gegen Armstrong und Co. voran. Nach Informationen der New York Times wurden mehrere Zeugen schriftlich vorgeladen, um vor der Grand Jury auszusagen. Bereits in den letzten Tagen war bekannt geworden, dass frühere US-Postal-Fahrer wie George Hincapie von den Behörden kontaktiert worden sind.

Chefermittler Jeff Novitzky untersucht in der Angelegenheit wegen "Betrugs und Verschwörung". Geht es nach Armstrong, sei er davon nicht betroffen. "Es war nicht meine Firma. Ich hatte keine Anteile und ich habe auch nicht finanziell profitiert. Ich war ein Fahrer des Teams. Ich hatte keine finanziellen Beziehungen", sagte der 38-Jährige am Rande der 97. Tour de France.

Armstrongs Deal mit US-Firma

Es würden derzeit viele Dinge berichtet, die nicht wahr seien, so Armstrong. "Die krasseste Behauptung ist diese, dass ich Besitzer des Teams gewesen sei. Das ist absolut unwahr", sagte der Texaner.

So einfach dürfte es für den US-Star freilich nicht sein. Beispielsweise hatte Armstrong einen Deal mit einer US-Firma, die ihm fünf Millionen Dollar beim Gewinn des fünften Tour-Titels ausbezahlen musste. Das Geld hatte Armstrong damals juristisch erkämpft, da die Firma im Zuge der erstmaligen Doping-Vorwürfe im Jahre 2004 nicht zahlen wollte.

Nach dem umfassenden Doping-Geständnis von Floyd Landis Mitte Mai hat sich nun eine neue Situation ergeben. Der frühere Radprofi, dem 2006 der Toursieg wegen Testosteron-Dopings aberkannt worden war, hatte mit seinem Geständnis den Fall ins Rollen gebracht. Nach Informationen der Zeitung gehört Landis nicht zu den geladenen Zeugen. Dafür wurden andere Fahrer kontaktiert, unter ihnen auch Teilnehmer der diesjährigen Tour de France. Zwei frühere US-Postal-Angestellte sollen vor Novitzky bereits umfassend über Doping bei dem Rennstall ausgesagt haben.