Hamburg (SID) - Touchdowns für das Rampenlicht, Homeruns für mehr Aufmerksamkeit: Wenn am Ende dieser Woche die Europameisterschaften im Football und im Baseball beginnen, geht es für die deutschen Nationalmannschaften vor heimischem Publikum um mehr als nur den Titel. Öffentlichkeit soll her, Medienpräsenz und natürlich jede Menge Fans. Noch immer führen die beiden uramerikanischen Sportarten hierzulande allenfalls ein Schattendasen. Zu fremd scheinen vielen noch immer Spielablauf und Regeln. Ob die beiden Kontinentalturniere daran Grundlegendes ändern können, scheint fraglich.

"Es ist ein Teufelskreis. Das Fernsehen zeigt Baseball nicht, weil sich nur wenige dafür interessieren. So lernen Kinder Baseball nicht kennen und spielen eben Fußball oder Handball", klagt Simon Gühring. Der 27-Jährige ist Kapitän des deutschen Baseball-Teams, das sich trotz seiner kontinuierlichen Weiterentwicklung der letzten Jahre nie wirklich in den Fokus spielen konnte. Der vierte Platz bei den EM-Turnieren 2005 und 2007 - eine Randnotiz. Die WM-Partien in Deutschland in vergangenen Jahren - kaum wahrgenommen.

Der fast schon jahrzehntelang erhoffte Baseball-Boom bleibt aus. Daran können auch deutsche Top-Talente nichts ändern. Zu weit scheint für sie immer noch der Weg in die alles überstrahlende US-Profiliga MLB. Der Regensburger Max Kepler-Rozycki ergatterte zwar einen relativ hochdotierten Vertrag bei den Minnesota Twins, für ein Debüt in der MLB dürfte der 17-Jährige jedoch nach Einschätzung der Experten frühestens 2015 bereit sein.

Gühring: "Wir wollen Gold"

Voraussetzungen sind harte Arbeit, starke Nerven und jede Menge Durchsetzungsvermögen in einem der unterklassigen Farmteams. Für die EM steht der Outfielder angesichts des straffen Plans nicht zur Verfügung. Stattdessen wollen sich Spieler der Heidenheim Heideköpfe oder der Gauting Indians zum Titel kämpfen. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen und bei der EM Gold holen", sagt Gühring, dessen Team zum EM-Start heute in Stuttgart auf die Ukraine (19.00 Uhr) trifft.

Ein Sieg gegen die Osteuropäer wäre auf jeden Fall ein klares Signal an den Topfavoriten Niederlande, der am Montag im vierten Vorrundenspiel wartet. Zudem geht es in der Gruppenphase gegen Tschechien, Belgien und Frankreich. Der Gewinn des Titels wäre der erste deutsche Triumph überhaupt.

Das deutsche Football-Team kann da schon größere Meriten vorweisen. Viermal holte man bereits EM-Bronze, dreimal EM-Silber und 2001 sogar den EM-Titel. Zu mehr Aufmerksamkeit konnten aber auch diese Erfolge nicht beitragen. Zumal die großen deutschen Stars und das internationale Renommee von Länderspielen auch im Football fehlen. Dass Sebastian Vollmer, einziger deutscher Profi in der NFL, die New England Patriots für ein Intermezzo im Nationaltrikot verlässt, ist ausgeschlossen.