Hamburg (SID) - Kurz nach Wimbledon piepte Philipp Kohlschreibers Handy. Eine SMS: "Wie schaut es aus, was spielst du?" Absender war Roger Federer, der einen Trainingspartner zur Vorbereitung auf die anstehende Hartplatzsaison suchte. "Das ist für mich nicht normal", sagte der Augsburger: "Ich freue mich drauf und hoffe, dass ich ein bisschen was lernen kann."

Ende Juli wird er also für rund eine Woche zu dem Schweizer Großmeister fahren, am 5. August geht es dann nach Toronto, wo die Canadian Open als erstes wichtiges Turnier auf dem amerikanischen Kontinent anstehen. Die German Open in Hamburg und überhaupt die verkorkste Sandplatz-Saison will er dann hinter sich lassen. Die 5:7, 4:6-Niederlage im Achtelfinale am Rothenbaum am Donnerstag gegen den Brasilianer Thomasz Bellucci war nur die jüngste einer Reihe von Enttäuschungen auf der roten Asche.

Zum siebten Mal bereits war Deutschlands derzeit bester Tennisspieler in der Hansestadt angetreten, und wieder ging es nicht über das Achtelfinale hinaus. "Ich schlage die nicht gerade", sagt Kohlschreiber und meint diese Spezialisten des roten Belages: "Es war eine gute Partie, nur halt nicht mit der Steigerung, um so einen Spieler schlagen zu können."

Kohlschreiber sucht neuen Input

So herrscht Stagnation bei "Kohli". Platz 35 in der Weltrangliste belegt er zurzeit. Seit drei Jahren bewegt er sich immer unter den Top 40 ohne sein Ziel Top 20 erreicht zu haben. Auch deshalb sucht er seinen neuen Input in Form eines neuen Trainers und ist bereit, sich nach jahrelanger Zusammenarbeit von der Tennisbase in Oberhaching zu trennen.

"Talentierter deutscher Tennisprofi will sich auf dem Weg nach oben neu orientieren und sucht professionelle Unterstützung", so oder ähnlich wird die Stellenanzeige aussehen, die er in der internen Wochenzeitung der ATP aufgegeben hat: "Vielleicht kommt dadurch ja auch ein Ex-Spieler auf die Idee mit mir zu arbeiten, an den ich noch gar nicht denke." Zur Vorbereitung auf die neue Saison ab Dezember soll es spätestens so weit sein.

Bis dahin doktert er mit Hilfslösungen herum. In Wimbledon hatte ihn Ex-Coach und Manager Michael Geserer betreut. In Hamburg stand Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen teilweise zur Seite. Auf der US-Tour will er sich von Ex-Profi Darren Cahill helfen lassen. Der wird von seinem Kleidungs-Ausrüster bezahlt und assistiert deshalb auch anderen Spielern, die mit drei Streifen auf dem Hemd spielen.